Eine „Séance zwischen Nick Cave und Franz Schubert“ halten das Ensemble Resonanz, Schauspieler Charly Hübner und ein hochkarätig besetztes Jazztrio ab, wenn sie die Winterreise mit Hilfe von Songs des australischen Rockpoeten neu interpretieren.„Wie geht das zusammen?
Fantastisch!“, urteilte Deutschlandfunk Kultur über den mit The Mercy Seat betitelten Tauchgang in menschliche Abgründe, der nun als CD erschienen ist.
Das Publikum der Elbphilharmonie reagierte bei der Premiere im November 2018 mit Standing Ovations; zuletzt war The Mercy Seat
im Oktober 2020 in Viersen und an der Kölner Philharmonie zu erleben.
Nicht nur Charly Hübner findet mit seiner im klassischen Gesang
ungeschulten Stimme klanglich einen ganz eigenen Zugang zu Schuberts
Musik – auch das Ensemble Resonanz sucht nach neuen Wegen, die Musik
von Schubert und Cave ineinanderfließen zu lassen. Komponist Tobias
Schwencke lieferte dafür Arrangements, die ein Jazztrio mit Kalle Kalima
an der Gitarre, Carlos Bica am Kontrabass und Max Andrzejewski am
Schlagzeug einbeziehen.
Ausgangspunkt ist Caves gleichnamiges Stück, das den Gedankenstrom
eines Mannes kurz vor seiner Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl
verarbeitet. Im Interview mit dem VAN Magazin schildert Charly Hübner
die Grundfrage des Songs: „Bin ich bereit zu sterben, weil ich böse bin –
oder sterbe ich unschuldig, weil ich mich für gut halte?“ Der Song löse
am Ende diese Unterscheidung auf und eröffne die Möglichkeit für ein
Gedankenspiel. „Was wäre, wenn dieser junge Mann in Schuberts
Winterreise, der aus seinem Dorfe weggeht, dort, wo er den Wegweiser
entdeckt, sich für eine Tat entscheidet, nämlich für die, die ihm
Befriedigung verschafft?“
Mercy Seat – Winterreise
resonanzraum records 10285222
CD-Rezension von Rainer Pöllmann auf Deutschlandfunk Kultur