Friedrich Goldmann

Komponist

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Biografie

Leben

Friedrich Goldmanns musikalische Ausbildung begann 1951 als Mitglied des Dresdner Kreuzchors. Im Alter von 18 Jahren nahm er 1959 als Stipendiat der Stadt Darmstadt an den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik bei Karlheinz Stockhausen teil. Den Einladungen Stockhausens, auch an den Kursen 1961/62 teilzunehmen, durfte er nach dem Mauerbau nicht folgen. Ab 1959 studierte er Komposition an der Hochschule für Musik Dresden und legte sein Examen 1962 vorzeitig ab. Von 1962 bis 1964 war er Meisterschüler von Rudolph Wagner-Régeny an der Akademie der Künste Berlin. Zugleich arbeitete er als freier musikalischer Assistent am Berliner Ensemble, wo er u.a. Heiner Müller, Luigi Nono, BK Tragelehn sowie Ruth Berghaus begegnete und auch Paul Dessau wurde in dieser Zeit ein Freund und Mentor. Von 1964 bis 1968 studierte Friedrich Goldmann zusätzlich Musikwissenschaft an der Humboldt Universität zu Berlin.

Sein Werk umfasst zahlreiche kammermusikalische Kompositionen, vier Sinfonien, vier Solokonzerte (für Klavier, Oboe, Posaune und Violine) und mehrere Orchesterwerke sowie die Oper „R.Hot bzw. die Hitze“. Wegen kulturpolitischer Beschränkungen der DDR bestand anfangs für Goldmann nur im Bereich Bühnenmusik eine Aussicht auf Aufführungen. Seit den späten 1960er Jahren ließ die Unterdrückung Neuer Musik durch den Staatsapparat graduell nach, wodurch eine neue Komponistengeneration ihre Werke zu Gehör bringen konnte, insbesondere durch neu gegründete kammermusikalische Formationen (Gruppe Neue Musik „Hanns Eisler“, Bläservereinigung Berlin), aber auch durch etablierte Orchester.

Zu seinen Aufträgen gehörten zahlreiche Werke, die insbesondere regelmäßig entstanden für die Wittener Tage für Neue Kammermusik, Ensemble Modern, Musikbiennale Berlin, Berliner Festwochen, das Konzerthaus Berlin und Staatsoper / Staatskapelle Berlin (die in seinem Oeuvre zu seinen quantitativ bedeutendsten Förderern werden sollten), sowie u.a. für die Berliner Philharmoniker, das Arditti Quartett, Musica Viva München, Scharoun Ensemble, Gewandhaus Leipzig, Semperoper und Staatskapelle Dresden, DLF, Deutschlandradio, WDR, SWR, Komische Oper Berlin, Ny Musikk Ensemble Oslo, den 20. Jahrestag des Mauerfalls (Staatsakt Brandenburger Tor), Deutscher Pavillon Expo 2000 und das Bachfest Leipzig.

Als Dirigent leitete er führende Orchester und Ensembles, darunter die Berliner Philharmoniker, die Staatskapelle Berlin und alle deutschen Rundfunkorchester. Er dirigierte zahlreiche Uraufführungen, u.a. von Lachenmann, Hosokawa, Rihm und Henze und gastierte in zahlreichen europäischen Ländern sowie den USA, Russland, Japan und Südkorea.

Seit 1980 unterrichtete Friedrich Goldmann Meisterschüler an der Berliner Akademie der Künste. 1991 folgte er dem Ruf für die Professur für Komposition an der Universität der Künste Berlin. Dort war er von 2003 bis 2005 Leiter des Instituts für Neue Musik. Zu seinen Schülern zählen u.a. Enno Poppe, Helmut Oehring, Arnulf Herrmann, Sergej Newski, Steffen Schleiermacher, Jakob Ullmann, Nicolaus Richter de Vroe, Charlotte Seither, H. Johannes Wallmann und Paul Frick.

Friedrich Goldmann verstarb am 24. Juli 2009 in Berlin im Alter von 68 Jahren.

Werk

Friedrich Goldmanns Werk lässt sich grob in drei Schaffensphasen unterteilen. Einzelne Werke, die er auch später noch gelten ließ, entstanden ab etwa 1963. Sein Oeuvre entwickelt sich bis Anfang der 1970er Jahre vor allem in Bühnenmusiken und kammermusikalischen Werken sowie drei „Essays“ für Orchester. Zunächst verarbeitete er vor allem Techniken des Serialismus und der Clusterbildung, von denen er jedoch bald wieder abrückt. Um 1969 begann für Goldmann eine erste wichtige Phase des Komponierens auf der Basis von getrennt gehandhabten musikalischen Materialschichten, insbesondere appropriierten traditionellen Formmodellen (z.B. Sonate, Sinfonie), die er mit neuem Tonmaterial „von innen heraus aufsprengt“ und dadurch umdeutet. Dabei kommt dem Hervorheben der entstehenden Bruchstellen zwischen den einzelnen Ebenen als emergente ästhetische Qualität ebenso Bedeutung zu wie der Erweiterung des Materials selbst. Damit ging er einerseits über vorhergehende Collagetechniken hinaus und nahm andererseits nachfolgende Debatten, etwa zum Rückgriff auf historisches Material und Mehrfachkodierungen, vorweg. Wichtige Beispiele sind hier u.a. die Sonate für Bläserquintett und Klavier (1969) sowie die 1. Sinfonie (1972-1973).

Seit den 1970er Jahren deutete sich eine neue Tendenz an, die seine dritte Schaffensphase bestimmen sollte, die aber erst ab Mitte der 1980er Jahre vollständig ausgebaut wird und ab den späten 1990ern in voller Prägnanz zutage tritt: ein weiterhin autonomes, „absolutes“ Komponieren, dass sich jedoch der gesamten kompositorisch-instrumentalen Möglichkeiten der Neuen Musik bedient und statt Brüchen kontinuierliche perzeptive Übergänge und gegenseitige Durchdringungen des Materials sucht – etwa in Kontinuen zwischen Geräusch und Ton, chromatischem Tonvorrat und Mikrotonalität oder rhythmischen Verflechtungen wechselnder Klangfarben und Techniken. Als Teil von dabei entstehenden komplexen Verschmelzungen lösen sich die vermeintlich starren Materialkategorien auf, so dass sowohl der herkömmliche Materialbegriff nicht mehr greift als auch die damit beschriebenen klanglichen Phänomene einer umfassenden Neudeutung zugeführt werden. Werke, die diesen Ansatz aufgreifen, lassen sich bis 1969 zurückverfolgen (etwa der 2. Satz der Bläsersonate). Wichtige Werke, die ihn konsequent umsetzen, sind u.a. das Trio (4 Stücke) für Viola, Violoncello und Kontrabass (1986), das Streichquartett Nr.2 (1997) sowie quasi una sinfonia (2008).

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Werke

Orchesterwerke

Quasi una sinfonia (2008)

Konzertstück (2004 – 2008)

Wege Gewirr Ausblick (2007/2008)

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Ensemble

Ensemblekonzert III (2007)
Besetzung: für sechzehn Spieler

Linie / Splitter 1 (1996)
Besetzung: Ensemblemusik für sieben Spieler (Fl., Kl., Vib., Klavier, Vl., Va. und Vc.)

Linie / Splitter 2 (2006)
Besetzung: für Ensemble (Kl., Hrn., Acc., Klavier, Vl., Vc)

… fast erstarrte Unruhe … III (1995)
Besetzung: für zwölf Spieler (Fl., Kl., Hrn., Pos., Schlagzeug, Git., Klavier, Streichquartett und Kb.)

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Kammermusik

Trio für Violine, Horn und Klavier (2004)

Trio (4 Stücke) für Viola, Violoncello und Kontrabass (1986)

Quartett für Oboe, Violine, Viola und Violoncello (2000)

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Solos / Duos

Sonate für Klavier (1987)

Sisyphos zu zweit (2008)
Besetzung: für Violine und Violocello

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"Entdeckungen"

Konzert für Violine und Orchester (1977)

Streichquartett 1 (1975)

Trois en quatre (Liszt-Interludien) (2004-2006)
Besetzung: für Orchester

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Eine Liste aller Werke finden Sie auf der Homepage des Komponisten.

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