Hans Zender

Komponist

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Termine

22.11. 20:00
Herkulessaal München

Klaus Ospald,  Más raíz, menos critura (Entlegene Felder III) für Orchester, Solo-Klavier und 8 Stimmen
Hans Zender,  33 Veränderungen über 33 Veränderungen (Neufassung 2019)

Hans Zender, Komposition
Markus Bellheim, Klavier
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Singer Pur, Chor
Peter Rundel, Dirigent

06.01. 19:00
Kölner Philharmonie

Hans Zender,  Issei no kyō

Hans Zender, Komposition
Juliet Fraser, Sopran
Ensemble Modern
Franck Ollu, Dirigent

13.01. 19:00
Alte Oper Frankfurt

Hans Zender,  Issei no kyō

Hans Zender, Komposition
Juliet Fraser, Sopran
Ensemble Modern
Franck Ollu, Dirigent

Biografie

Hans Zender, 1936 – 2019

„Ich habe schon lange akzeptiert, dass mein Inneres mich von Werk zu Werk zwingt, auf die komplexe Situation der Gegenwart mit immer neuen ästhetischen Fragestellungen zu reagieren.“

Hans Zender wurde am 22.11.1936 in Wiesbaden geboren. Seine musikalische Laufbahn begann er als Pianist und Dirigent sowie als Kompositionsschüler von Wolfgang Fortner in Freiburg. Auf zahlreichen Chefdirigentenposten setzte er sich über Jahrzehnte sowohl künstlerisch als auch kulturpolitisch für einen wachen Umgang mit Musik ein und engagierte sich mit einer beispiellosen Offenheit und Neugier für das Werk zahlreicher zeitgenössischer Komponisten. Nach ersten Stationen in Bonn (als jüngster deutscher Generalmusikdirektor, 1964 bis 1968) und in Kiel war er unter anderem beim Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken, dem Radiokamerorkest des Niederländischen Rundfunks, als Hamburgischer Generalmusikdirektor sowie als ständiger Gastdirigent und Mitglied der künstlerischen Leitung des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg tätig.

Als interdisziplinär orientierter Künstler par excellence hat der Komponist, Dirigent und Autor brillanter Essays stets versucht, dem Wesen des Hörens auf die Spur zu kommen. Der Blick auf andere Kulturen und ein gegenwartsbezogenes Entdecken historischer Musik waren dabei für ihn ebenso Programm wie sein kulturpolitisches Engagement. Kompositorisch hat er sich mit der Entwicklung einer eigenen, mikrotonal organisierten Harmonik die Möglichkeiten eines reinen, von den Verschiebungen der temperierten Stimmung befreiten Klanges erschlossen. 

Sein Œuvre, mit dem er sich in der Erbfolge Arnold Schönbergs und insbesondere Bernd Alois Zimmermanns sah, umfasst das gesamte musikalische Spektrum von Kammermusik bis hin zu großen Orchesterbesetzungen und Musiktheaterwerken. Dabei war das Komponieren von Werkreihen eine charakteristische Konstante seines Schaffens, das sowohl von literarisch-philosophischen als auch geschichtlichen und religiösen Referenzen durchzogen ist. Seine 1965 begonnene Reihe Cantos, zu der auch die zwischen 2006 und 2009 entstandenen Logos-Fragmente zählen, umfasst Vokalmusik in verschiedensten Besetzungen. Neben Texten von Hugo Ball, William Shakespeare und Henri Michaux griff Hans Zender immer wieder Werke Friedrich Hölderlins auf und widmete dieser Auseinandersetzung seinen Werkzyklus Hölderlin lesen. Die vierte Komposition seines Zyklus mit Texten aus dem Canto espiritual des Lyrikers und Mystikers San Juan de la Cruz,, Oh cristalina, wurde 2014 vom SWR Vokalensemble Stuttgart und dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg zu Gehör gebracht. Mit der von ihm geschaffenen Gattung der „komponierten Interpretationen“, zu denen seine Bearbeitung von Schuberts Winterreise und von Beethovens Diabelli-Variationen (33 Veränderungen über 33 Veränderungen) gehören, deutete er die Tradition in einem neuen Licht. Eine Neufassung der Veränderungen entstand kurz vor seinem Tod im Sommer 2019.

Eine Orientierungshilfe für die sein gesamtes Schaffen durchziehende Suche nach innerer Sammlung und Verfeinerung der Wahrnehmungsfähigkeit fand Hans Zender in der Beschäftigung mit dem Zen. Explizit schlug sich das Interesse an fernöstlicher Philosophie und Ästhetik in der Reihe der zwischen 1975 und 2009 entstandenen „japanischen“ Stücke mit ihren unterschiedlichen Besetzungen von Soloinstrument bis zu Orchester nieder, in denen er den Aspekt der Zeiterfahrung in den Mittelpunkt stellte.

Auch seine Musiktheaterwerke spielen mit der Zeitlichkeit und durchbrechen vielfach das lineare Erzählen. Insbesondere mit seiner ersten Oper Stephen Climax (1979/84) nach James Joyces Ulysses bezieht sich Hans Zender auf Zimmermanns Idee der Gleichzeitigkeit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Don Quijote de la Mancha, 1993 uraufgeführt, besteht laut Untertitel aus „31 theatralischen Abenteuern“. Die variierend besetzten Szenen sind als  Auswahl und in jeweils neu festgelegter Reihenfolge aufführbar und bilden ein Mosaik aus verschiedenen Blickwinkeln auf die Handlung. Ähnlich perspektivisch aufgefächert bietet sich das Musiktheaterwerk Chief Joseph (2003) dar, in dem es, in den Worten des Komponisten, „um die Unfähigkeit der westlichen Gesellschaft, sich mit fundamental andersartigen Lebensentwürfen produktiv auseinanderzusetzen“ geht.

Zu seinen Kompositionsschülern an der Frankfurter Musikhochschule, wo er 1988 bis 2000 lehrte, gehörten unter anderem Hanspeter Kyburz, Isabel Mundry, Hans Thomalla und José María Sánchez-Verdú. Hans Zender war Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg, der Akademie der Künste Berlin und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste München. Er wurde unter anderem mit dem Kunstpreis des Saarlandes, dem Goethepreis der Stadt Frankfurt, dem Hessischen Kulturpreis und dem Preis der Europäischen Kirchenmusik ausgezeichnet. Seit 2004 bündelte das Ehepaar Zender sein kulturpolitisches Engagement in der Hans und Gertrud Zender-Stiftung, die unter anderem die Happy New Ears-Preise für Komponisten und Musikvermittler verleiht.

Anlässlich seines 80. Geburtstages wurde Hans Zender 2016 vielerorts mit Aufführungen seiner Werke geehrt: Auf ein Porträtkonzert bei der musica viva in München folgten unter anderem ein Konzert-Symposium bei Wien Modern, Wiederaufführungen seiner Oper Don Quijote mit dem Ensemble Modern sowie eine Serie von Geburtstagskonzerten des neuen SWR-Orchesters. Seine berühmte Winterreise war in einer neuen szenischen Version mit Christoph Prégardien und Peter Rundel an der Casa da Música  sowie an der New Yorker Carnegie Hall mit Mark Padmore unter der Leitung von Sir Simon Rattle zu erleben.

Die Saison 19/20 umfasst neben weiteren Darbietungen der Winterreise – unter anderem in einer neuen Inszenierung des niederländischen Installationskünstlers Aernout Mik an der Staatsoper Stuttgart – Wiederaufführungen von Mnemosyne mit dem Arditti Quartett beim Musikfestival Bern sowie von Issei no kyo (Lied vom einen Ton, 2008/09) mit dem Ensemble Modern in Frankfurt und Köln. Im Herbst steht die Uraufführung der Neufassung seiner Diabelli-Variationen (33 Veränderungen über 33 Veränderungen) mit dem Klangforum Wien am Konzerthaus Wien an, bevor das Werk auch beim Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks sowie beim WDR Symphonieorchester erklingt, beide Male unter der Leitung von Peter Rundel.

Eine eindrucksvolle Reihe von philosophischen, musikästhetischen und kulturpolitischen Aufsätzen wurde im Frühjahr 2019 um den im Karl-Alber-Verlag erschienenen Band Sehen Verstehen SEHEN. Meditationen zu Zen-Kalligraphien ergänzt, der gemeinsam mit dem Religionswissenschaftler und Zen-Meister Michael Brück entstanden ist.

Hans Zender ist in der Nacht zum 23. Oktober 2019 nach langer Krankheit im Alter von 82 Jahren in Meersburg gestorben.

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Resonanz

Schubert-Chöre – das heißt: Der Chorsatz des Wiener Romantikers bleibt konstant. Die Instrumente hingegen schmücken aus, interpretieren, konterkarieren und verfremden sehr subtil. Manchmal klingt’s beim vielseitigen und ganzheitlichen Musikdenker Zender wie ein akribisch berechneter Schubert mit pfiffigen, doch nie destruktiven Störmanövern. Das Unternehmen hat großen Reiz. Vor allem, wenn auch so exzellent gesungen wird wie nun von den SWR-Vokalprofis und dem Tenorlyriker Alexander Yudenkov. Man vernimmt einiges: Da wird bei "Coronach" aus dem Kreis der Instrumente auf eine Seelenverwandtschaft von Schubert und Mahler verwiesen. Wohlig der Ausflug aufs geistliche Terrain bei Schuberts Vertonung des 23. Psalms ("Gott ist mein Hirt"). Originalen Zender hat man hingegen in "Oh Cristalina. . . " vor sich (…) Wie üblich bei Zender: intellektuelle Tonkunst, aus der gleichwohl Sinnlichkeit spricht (…) Naturtönige Intervalle. Filigrane, auch geräuschnahe und labyrinthische Klänge (…) Die differenziert-kundige Aufspaltung offenbart den Orchesterpraktiker. Dem Zender-erfahrenen Dirigenten Cornelius Meister gelang eine ganz hervorragende, tiefgründige, alle Facetten einbeziehende Exegese.
BADISCHE ZEITUNG, 21.12.2016
 

Dass die Musica-viva-Reihe in München Hans Zender mit einem wuchtigen Portrait-Konzert ehrt, ist als Reverenz vor einem der intellektuell regsamsten und auch anregendsten Komponisten unserer Zeit nicht selbstverständlich.(…) Höhepunkt schließlich: Fragment IX, "Geist" - es türmt sich über dem biblischen Bericht von der pfingstlichen Ausgießung des Geistes eine rätselvolle Collage, fesselnde "Zungenrede" aus altgriechischem Lied, Latein und deutschem Lutherwort. Ein "furchtloses Schweben" ist das tatsächlich - in der Tiefenauslotung von Wort, Klang, Sinn, Bedeutung. Im Wahrnehmungserlebnis ein Reiz, der die Ohren bezwingt und das Publikum zum Staunen und heftigem Applaudieren bringt. "Happy New Ears": Das hat Hans Zender seinen Hörern schon oft gewünscht.
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG,  09.10.2016
 

Das Konzert in der Congresshalle begann mit der Uraufführung von Hans Zenders „Hannya Shin Gyo“ für Männerchor und Orchester nach einem der bekanntesten buddhistischen Lehrtexte. Ein Werk von hoher emotionaler Dichte trotz statuarischer Strenge, das auf gefällige fernöstliche Annäherungen verzichtet und seinen Reiz sowohl aus der Instrumentation und der Verwendung von Mikrointervallen bezieht wie aus der Konfrontation von Härte und Stille. Bewundernswert die elf Sänger des Chorwerks Ruhr in der Einstudierung von Sebastian Breuing, die durch perfekte Intonation und weitgespannten Ausdruck beeindruckten. Starker Beifall für den anwesenden Komponisten von Publikum und Orchester.
SAARBRÜCKER ZEITUNG, 24.05.2016


An die „Winterreise“ als geschlossenen Zyklus aber hatte sich kein Komponist herangewagt, bis 1993 Hans Zender seine „komponierte Interpretation“ des Liederabendes herausbrachte, uraufgeführt in Frankfurt am Main vom Ensemble Modern und Christoph Prégardien. Zenders Fassung lässt den Gesangspart überwiegend unangestatet, verarbeitet die Klavierstimme allerdings zu einem schillernden Orchesterpart, der sich sehr schnell in den Konzerthäusern etabliert hat und heute selbst Puristen begeistert.
DAS OPERNGLAS, 08.03.2016, M. Fielder


Am Ende dieser wunderlichen „Winterreise“ gerät die Welt aus den Fugen. Und weil es ja Schuberts musikalische Welt ist, die sich Hans Zender in seiner 1992 „komponierten Interpretation“ vorgenommen hat, spielt die Tonalität verrückt, durchweben fremde Stimmen den Gesang, verwirren sich Zeit und Raum zu einem obskuren Totentanz. (…) Zender gibt sich nicht mit dem „Einfärben“ des Klaviersatzes zufrieden. Er destilliert aus seinen Gedanken zum Wesen der Interpretation dies neue Werk. (…) 100 Prozent Schubert steckt in diesem Werk, und Prégardien kultiviert seinen der Sprache dienenden Gesang, dass es einen wohlig schaudert.
RHEINISCHE POST, 28.09.2015 – über die “Winterreise” mit Christoph Prégardien


Unter den heutigen Musikern von Rang ist Hans Zender einer der besten Schriftsteller und einer der klarsten Denker (…). Hans Zender hat die Distinktion, ein Musiker zu sein, der als Komponist, Dirigent, Pädagoge, Musiktheoretiker und weithin belesener Literat eine Sonderstellung einnimmt.
NEUE ZÜRCHER ZEITUNG, 15.01.2015 - ALFRED BRENDEL über Hans Zenders Buch „Waches Hören“
 

Der Begriff „Logos“ bezieht sich hier in erster Linie auf das Wort, und Zender erforscht dieses (wie Pound in seinen „Cantos“) in einem wahrhaft multilingualen Fest, das hier in die Antike zurückversetzt wird und Fragmente aus dem Altgriechischen, Latein, Englisch und Deutsch enthält, teilweise von Zender selbst übersetzt.
MUNDOCLASICO.COM, 04.08.2014 – über die Neuerscheinung der logos fragmente bei WERGO
 

Der Großmeister der Wiener Klassik wird ins Heute geholt, der Werkkosmos wird analytisch auseinandergenommen und neu zusammengesetzt. Und zwar in einer Weise, die beim Hörer als eine höchst intelligente Mischung aus Ernst und Unernst ankommt. (…) Die Variationen sind wie Wechselbäder; sich da gemütlich einzurichten, funktioniert nicht. Schon Beethoven schaute zurück und nach vorn. Sein heutiger Interpret, für den die Diabelli-Variationen den "Weg des Komischen zum Erhabenen" repräsentieren, tut es ihm nach – und das sehr individuell. Er versucht, eine Brücke von uns zu Beethoven zu schlagen. Dies gelingt. Parodie inklusive.
BADISCHE ZEITUNG, 28.06.2013 – über CD-Einspielung  der „33 Veränderungen über 33 Veränderungen“ mit dem Ensemble Modern

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Werke

Ein Werkverzeichnis von Hans Zender finden Sie hier.

Weitere Listen der Werke von Hans Zender finden Sie auf den Seiten von Breitkopf & Härtel, Boosey & Hawkes sowie der Universal Edition.

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Werkverzeichnis

Ein Werkverzeichnis von Hans Zender finden Sie hier.
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Audio

Lydia Jeschke im Gespräch mit Hans Zender über sein Stück Oh Cristalina

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Video

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Diskografie

Winterreise 2/Interpretationen

Winterreise 2/Interpretation

Julian Prégardien, Tenor; Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern; Robert Reimer, Dirigent
P.RHÉI 2016 

Adónde? Wohin?

Adónde? Wohin?

SWR Sinfonie Orchester Baden-Baden und Freiburg, SWR Vokalensemble Stuttgart, Emilio Pomàrico, Marcus Creed, Susanna Mälkki, Chor und Symphonieorchester des Bayerishen Rundfunks, Klangforum Wien, Sylvain Cambreling, Angelika Luz, Ernst Kovacic
Wergo, WER 73362, 2016

logos-fragmente (Canto IX)

logos-fragmente (Canto IX)

SWR Vokalensemble Stuttgart, SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, Emilio Pomàrico
Wergo, WER 6765 2, 2013

33 Veränderungen über 33 Veränderungen

33 Veränderungen über 33 Veränderungen

Ensemble Modern, Hans Zender
Ensemble Modern Medien, EMCD-020, 2013

Cabaret Voltaire Mnemosyne – Hölderlin lesen IV

Cabaret Voltaire Mnemosyne – Hölderlin lesen IV

Salome Kammer, Klangforum Wien, Hans Zender
KAIROS, 0012522KAI, 2006

Shir Hashirim

Shir Hashirim

Julie Moffat (Sopran), Matthias Klink (Tenor), Roswitha Staege (Flöte), Uwe Dierksen (Posaune), Christoph Grund (Klavier), SWR Vokalensemble Stuttgart, SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, Sylvain Cambreling
KAIROS, 0012612KAI, 2006

Music to hear

Music to hear

Klangforum Wien
KAIROS, 0012262KAI, 2001

Schuberts „Winterreise“ Eine komponierte Interpretation

Schuberts „Winterreise“ Eine komponierte Interpretation

Christoph Prégardien, Klangforum Wien, Sylvain Cambreling
KAIROS, 0012002KAI, 1999

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