Schubert-Chöre – das heißt: Der Chorsatz des Wiener Romantikers bleibt konstant. Die Instrumente hingegen schmücken aus, interpretieren, konterkarieren und verfremden sehr subtil. Manchmal klingt’s beim vielseitigen und ganzheitlichen Musikdenker Zender wie ein akribisch berechneter Schubert mit pfiffigen, doch nie destruktiven Störmanövern. Das Unternehmen hat großen Reiz. Vor allem, wenn auch so exzellent gesungen wird wie nun von den SWR-Vokalprofis und dem Tenorlyriker Alexander Yudenkov. Man vernimmt einiges: Da wird bei "Coronach" aus dem Kreis der Instrumente auf eine Seelenverwandtschaft von Schubert und Mahler verwiesen. Wohlig der Ausflug aufs geistliche Terrain bei Schuberts Vertonung des 23. Psalms ("Gott ist mein Hirt"). Originalen Zender hat man hingegen in "Oh Cristalina. . . " vor sich (…) Wie üblich bei Zender: intellektuelle Tonkunst, aus der gleichwohl Sinnlichkeit spricht (…) Naturtönige Intervalle. Filigrane, auch geräuschnahe und labyrinthische Klänge (…) Die differenziert-kundige Aufspaltung offenbart den Orchesterpraktiker. Dem Zender-erfahrenen Dirigenten Cornelius Meister gelang eine ganz hervorragende, tiefgründige, alle Facetten einbeziehende Exegese.
BADISCHE ZEITUNG, 21.12.2016
 

Dass die Musica-viva-Reihe in München Hans Zender mit einem wuchtigen Portrait-Konzert ehrt, ist als Reverenz vor einem der intellektuell regsamsten und auch anregendsten Komponisten unserer Zeit nicht selbstverständlich.(…) Höhepunkt schließlich: Fragment IX, "Geist" - es türmt sich über dem biblischen Bericht von der pfingstlichen Ausgießung des Geistes eine rätselvolle Collage, fesselnde "Zungenrede" aus altgriechischem Lied, Latein und deutschem Lutherwort. Ein "furchtloses Schweben" ist das tatsächlich - in der Tiefenauslotung von Wort, Klang, Sinn, Bedeutung. Im Wahrnehmungserlebnis ein Reiz, der die Ohren bezwingt und das Publikum zum Staunen und heftigem Applaudieren bringt. "Happy New Ears": Das hat Hans Zender seinen Hörern schon oft gewünscht.
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG,  09.10.2016
 

Das Konzert in der Congresshalle begann mit der Uraufführung von Hans Zenders „Hannya Shin Gyo“ für Männerchor und Orchester nach einem der bekanntesten buddhistischen Lehrtexte. Ein Werk von hoher emotionaler Dichte trotz statuarischer Strenge, das auf gefällige fernöstliche Annäherungen verzichtet und seinen Reiz sowohl aus der Instrumentation und der Verwendung von Mikrointervallen bezieht wie aus der Konfrontation von Härte und Stille. Bewundernswert die elf Sänger des Chorwerks Ruhr in der Einstudierung von Sebastian Breuing, die durch perfekte Intonation und weitgespannten Ausdruck beeindruckten. Starker Beifall für den anwesenden Komponisten von Publikum und Orchester.
SAARBRÜCKER ZEITUNG, 24.05.2016


An die „Winterreise“ als geschlossenen Zyklus aber hatte sich kein Komponist herangewagt, bis 1993 Hans Zender seine „komponierte Interpretation“ des Liederabendes herausbrachte, uraufgeführt in Frankfurt am Main vom Ensemble Modern und Christoph Prégardien. Zenders Fassung lässt den Gesangspart überwiegend unangestatet, verarbeitet die Klavierstimme allerdings zu einem schillernden Orchesterpart, der sich sehr schnell in den Konzerthäusern etabliert hat und heute selbst Puristen begeistert.
DAS OPERNGLAS, 08.03.2016, M. Fielder


Am Ende dieser wunderlichen „Winterreise“ gerät die Welt aus den Fugen. Und weil es ja Schuberts musikalische Welt ist, die sich Hans Zender in seiner 1992 „komponierten Interpretation“ vorgenommen hat, spielt die Tonalität verrückt, durchweben fremde Stimmen den Gesang, verwirren sich Zeit und Raum zu einem obskuren Totentanz. (…) Zender gibt sich nicht mit dem „Einfärben“ des Klaviersatzes zufrieden. Er destilliert aus seinen Gedanken zum Wesen der Interpretation dies neue Werk. (…) 100 Prozent Schubert steckt in diesem Werk, und Prégardien kultiviert seinen der Sprache dienenden Gesang, dass es einen wohlig schaudert.
RHEINISCHE POST, 28.09.2015 – über die “Winterreise” mit Christoph Prégardien


Unter den heutigen Musikern von Rang ist Hans Zender einer der besten Schriftsteller und einer der klarsten Denker (…). Hans Zender hat die Distinktion, ein Musiker zu sein, der als Komponist, Dirigent, Pädagoge, Musiktheoretiker und weithin belesener Literat eine Sonderstellung einnimmt.
NEUE ZÜRCHER ZEITUNG, 15.01.2015 - ALFRED BRENDEL über Hans Zenders Buch „Waches Hören“
 

Der Begriff „Logos“ bezieht sich hier in erster Linie auf das Wort, und Zender erforscht dieses (wie Pound in seinen „Cantos“) in einem wahrhaft multilingualen Fest, das hier in die Antike zurückversetzt wird und Fragmente aus dem Altgriechischen, Latein, Englisch und Deutsch enthält, teilweise von Zender selbst übersetzt.
MUNDOCLASICO.COM, 04.08.2014 – über die Neuerscheinung der logos fragmente bei WERGO
 

Der Großmeister der Wiener Klassik wird ins Heute geholt, der Werkkosmos wird analytisch auseinandergenommen und neu zusammengesetzt. Und zwar in einer Weise, die beim Hörer als eine höchst intelligente Mischung aus Ernst und Unernst ankommt. (…) Die Variationen sind wie Wechselbäder; sich da gemütlich einzurichten, funktioniert nicht. Schon Beethoven schaute zurück und nach vorn. Sein heutiger Interpret, für den die Diabelli-Variationen den "Weg des Komischen zum Erhabenen" repräsentieren, tut es ihm nach – und das sehr individuell. Er versucht, eine Brücke von uns zu Beethoven zu schlagen. Dies gelingt. Parodie inklusive.
BADISCHE ZEITUNG, 28.06.2013 – über CD-Einspielung  der „33 Veränderungen über 33 Veränderungen“ mit dem Ensemble Modern