Galliano vollbringt das Kunststück, die Töne so leicht und luftig schweben zu lassen, dass man sich an einem Frühlingstag in einem französischen Straßencafé wähnt, während draußen die letzten Schneeflocken des Winters umherwirbeln. BERLINER MORGENPOST

Es gibt wenige Musiker, die sowohl die Praxis ihres eigenen Instrumentes als auch einen ganzen Musikstil erneuert und damit für viele Zuhörer erst wieder interessant gemacht haben. Für das Akkordeon und die mit ihm verbundene französische Musette-Tradition hat Richard Galliano dies geleistet – zunächst als Partner der Stars des französischen Chansons, dann als Pionier des Akkordeons im Jazz und schließlich als Schöpfer seines eigenen Stils – der „New Musette“. Seit mehreren Jahrzehnten Stammgast auf den großen internationalen Jazzfestivals, ist der Akkordeonist und Bandeonist nun immer öfter auch im klassischen Konzertsaal zu hören und hat als Solist mit Klangkörpern wie dem Orchestre de Paris, dem Orchestre National de Lyon, dem Stuttgarter Kammerorchester und dem Zürcher Kammerorchester gearbeitet.

Schon mit vier Jahren begann der 1950 in Cannes geborene Sohn eines aus Italien stammenden Akkordeonisten, sein Instrument zu erforschen (vor einigen Jahren brachten Vater und Sohn ihre eigene preisgekrönte Unterrichtsmethode für Akkordeon heraus). Seine umfassenden Musikstudien in jungen Jahren am Konservatorium in Nizza umfassten auch Tonsatz und Posaune. Während er mit dem Akkordeon schon auf Wettbewerben reüssierte, entdeckte Richard Galliano als 14jähriger den Jazz und begann, mangels Vorbildern weitgehend auf sich gestellt, das Gehörte auf das Akkordeon zu übertragen. 1973 lernte er in Paris Claude Nougaro kennen, der den jungen Musiker zum Arrangeur und Dirigenten seiner Gruppe machte. Auf zahlreichen Aufnahmen weiterer populärer französischer Künstler aus dieser Zeit, darunter Barbara, Charles Aznavour und Juliette Gréco, ist Richard Gallianos Akkordeon zu hören. Gleichzeitig suchte er stets die Nähe zum Jazz und spielte ab den 80er Jahren mit großen Vertretern der Szene wie Chet Baker, Toots Thielemanns und Ron Carter.

Der Impuls für eine ganz neue Wendung seiner musikalischen Entwicklung kam von Astor Piazzolla. Als Solo-Bandeonist für ein Theaterprojekt arbeitete Richard Galliano 1983 mit dem Schöpfer des Tango Nuevo. Astor Piazzolla ermutigte ihn, sich mit seiner musikalischen Herkunft zu beschäftigen und inspirierte ihn dadurch zur „New Musette“: Das 1991 erschienene gleichnamige Album, das in Quartettbesetzung seinen neuen, jazzmusikalisch geprägten Blick auf die französische Musette vorstellte, wurde zu einem großen Erfolg und trug ihm den renommierten Prix Django Reinhardt ein. Eine ganze Reihe wichtiger Alben folgte, darunter 1996 die mit dem Victoire de la Musique ausgezeichnete Aufnahme New York Tango mit George Mraz, Al Foster und Biréli Lagrène sowie die 1997 mit Michel Portal eingespielte legendäre CD Blow Up. In festen Trio-Formationen trat er mit Daniel Humair und Jean-Francois Jenny-Clarke sowie später in New York mit Clarence Penn und Larry Grenadier auf. Daneben musizierte er immer wieder mit Musikern wie Jan Garbarek, Martial Solal, Hermeto Pascoal, Gary Burton, Gonzalo Rubalcaba, Charlie Haden und Wynton Marsalis.

Vor allem seine eigenen Kompositionen und Musik von Astor Piazzolla präsentiert Richard Galliano seit Ende der 90er Jahre in eigenen Arrangements für Orchester und Kammerensembles, dokumentiert unter anderem auf der 2003 erschienenen CD Piazzolla Forever. Bei der Deutschen Grammophon sind seit 2010 vier CDs herausgekommen: Mit seinem klassisch geprägten Sextett interpretierte er Musik von Johann Sebastian Bach; es folgte eine Quintett-Aufnahme mit Filmmusik von Nino Rota, an der unter anderem Trompeter Dave Douglas mitwirkte. Nach Musik von Antonio Vivaldi nahm er 2016 ein Mozart-Album auf, beides wieder in Sextett-Besetzung. Im Oktober 2017 erschien seine neueste CD Aria mit dem Organisten Thierry Escaich bei Jade Music. 

Saison 2018/2019

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