Kraftvolle und minutiös ausgearbeitete Kompositionen, die häufig szenische Elemente und Raumklangkonzepte einbeziehen und den Musikern auf den Leib geschnitten sind, zeichnen den 1979 in Maribor geborenen Komponisten Vito Žuraj aus. Innerhalb kurzer Zeit setzten sich seine Werke im Konzertsaal und bei wichtigen Festivals durch, interpretiert unter anderem vom New York Philharmonic Orchestra, dem BBC Scottish Symphony Orchestra, dem Ensemble Modern und dem RIAS Kammerchor.

Auch in der Saison 2018/19 kommt konzeptionell und thematisch Grenzübergreifendes zur Uraufführung: Für das SWR Vokalensemble und das SWR Symphonieorchester entsteht die Komposition Der Verwandler, die sich mit dem Alchemisten Johann Friedrich Böttger, Erfinder des europäischen Porzellans, auseinandersetzt. Böttgers Karriere, die mit der betrügerischen Behauptung startete, Gold herstellen zu können, ist für Vito Žuraj Ausgangspunkt für ein Assoziationsspektrum rund um die Themen Lüge und Wahrheit, Sinnsuche und das Wesen der Kunst. Bei der neuen Komposition Hors d’oeuvre verrät schon die Besetzungsangabe den ungewöhnlichen Ansatz: Für Koch-Performer und Kammerorchester ist das Werk geschrieben, das im Juni 2019 vom WDR Symphonieorchester unter Peter Rundel gemeinsam mit dem Sternekoch Daniel Gottschlich aus der Taufe gehoben wird.

Vito Žuraj studierte Komposition bei Marko Mihevc in Ljubljana und führte seine Studien anschließend bei Lothar Voigtländer in Dresden und bei Wolfgang Rihm in Karlsruhe fort. Seine Erfahrung mit Technik und Ästhetik elektronischer Klangerzeugung, die er in einem Masterstudium in Musiktechnologie bei Thomas A. Troge sowie am ZKM Karlsruhe sammelte und in Kooperationen mit dem Experimentalstudio des SWR und dem IRCAM ausbaute, nutzt er inzwischen nicht nur für seine eigene kompositorische Arbeit: Seit 2015 ist er als Professor für Komposition und Musiktheorie an der Universität Ljubljana mit dem Aufbau eines Studios für elektronische Musik betraut; parallel dazu hat er einen Lehrauftrag in Karlsruhe inne.

Als passionierter Tennisspieler nutzt Vito Žuraj seine Erfahrungen aus bestimmten Spielsituationen immer wieder als Inspiration für eine inzwischen umfangreiche Reihe von Werken, darunter das 2011 entstandene Changeover für Instrumentalgruppen und Orchester, uraufgeführt mit dem Ensemble Modern und dem hr-Sinfonieorchester unter Johannes Kalitzke. Seit langem verbindet ihn eine enge Zusammenarbeit mit dem Ensemble Modern, das inzwischen mehrere seiner Werke uraufgeführt hat, u.a. Runaround (2014), Übürall (2013), Restrung (2012) und Warm-up (2012) und das ihm zuletzt 2017 ein Komponistenporträt widmete – eins von zwei Konzerten mit seinen Werken an der Elbphilharmonie im Frühjahr 2017: Das NDR Elbphilharmonie Orchester brachte dort zudem die Komposition Stand up zur Uraufführung.

Auch zahlreiche weitere Ensembles und Orchester nehmen regelmäßig Werke von Vito Žuraj ins Programm. So brachte das Klangforum Wien unter anderem das 2013 entstandene Fired-up in Mailand, Paris und Wien zur Aufführung. Die halbszenisch angelegte Komposition Insideout wurde vom Scharoun Ensemble unter Matthias Pintscher bei den Salzburger Festspielen 2013 uraufgeführt und 2014 mit dem New York Philharmonic sowie 2016 mit dem Ensemble intercontemporain wiederaufgeführt. Zum 30. Jubiläum der Kölner Philharmonie wurde im September 2016 i-Formation für zwei Orchester und zwei Dirigenten aus der Taufe gehoben, gespielt vom WDR Sinfonieorchester unter Jukka-Pekka Saraste und dem Gürzenich-Orchester Köln unter François-Xavier Roth. Zu den Uraufführungen der vergangenen Saison zählen Drive für Schlagzeug-Trio und Instrumentalgruppen, entstanden im Rahmen seiner Residenz beim Philharmonischen Orchester Erfurt, sowie die Ensemblekomposition Tension, aufgeführt bei  den Wittener Tagen für Neue Kammermusik mit dem Klangforum Wien unter Emilio Pomárico und erneut in Wien unter Peter Rundel. Zudem brachte das Philharmonia Orchestra im April 2018 die englische Fassung seiner Farce Ubuquity für Sopran und Ensemble zur Uraufführung.

2016 erhielt Vito Žuraj den Claudio-Abbado-Kompositionspreis, der von der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker vergeben wird; die in Folge des Preises entstandene Auftragskomposition Alavó kam in Berlin, Paris und Luzern zur Aufführung. Vito Žuraj ist zudem Träger des Kompositionspreises der Landeshauptstadt Stuttgart sowie des Prešeren-Förder-Preises, der Auszeichnung für Kultur des slowenischen Staates. 2014 war er Stipendiat der Villa Massimo in Rom, der Akademie der Künste in Berlin sowie des ZKM Karlsruhe.

Aufnahmen von Vito Žurajs Werken sind unter anderem beim Label Neos erschienen; eine Porträt-CD wurde bei Wergo in der Edition zeitgenössische Musik des Deutschen Musikrats veröffentlicht.

Saison 2018/2019

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