Kraftvolle und minutiös ausgearbeitete Kompositionen, die häufig szenische Elemente und Raumklangkonzepte einbeziehen und den Musikern auf den Leib geschnitten sind, zeichnen den 1979 in Maribor geborenen Komponisten Vito Žuraj aus. Innerhalb kurzer Zeit setzten sich seine Werke im Konzertsaal und bei wichtigen Festivals durch, interpretiert unter anderem vom New York Philharmonic Orchestra, dem BBC Scottish Symphony Orchestra, dem Ensemble Modern und dem RIAS Kammerchor.

In der laufenden Saison arbeitet er an einem Konzert für Harfe und Streicher, für das die zwölf höchsten Saiten der Konzertharfe mikrotonal umgestimmt werden. Die Uraufführung im März 2020 in der Kölner Philharmonie bestreiten die Solistin Marion Ravot und das Münchener Kammerorchester. Die zweite wichtige Komposition dieser Saison ist INNEN für Kammerchor und Ensemble nach einem Text von Händl Klaus. Ausgehend von Beethovens Gehörverlust untersucht das Stück, welche Folgen Sinneseinschränkungen für den künstlerischen Ausdruck haben können.

Vito Žuraj studierte Komposition bei Marko Mihevc in Ljubljana und führte seine Studien anschließend bei Lothar Voigtländer in Dresden und bei Wolfgang Rihm in Karlsruhe fort. Seine Erfahrung mit Technik und Ästhetik elektronischer Klangerzeugung, die er in einem Masterstudium in Musiktechnologie bei Thomas A. Troge sowie am ZKM Karlsruhe sammelte und in Kooperationen mit dem Experimentalstudio des SWR und dem IRCAM ausbaute, nutzt er inzwischen nicht nur für seine eigene kompositorische Arbeit: Seit 2015 ist er als Professor für Komposition und Musiktheorie an der Universität Ljubljana mit dem Aufbau eines Studios für elektronische Musik betraut; parallel dazu hat er einen Lehrauftrag in Karlsruhe inne.

Als passionierter Tennisspieler nutzt Vito Žuraj seine Erfahrungen aus bestimmten Spielsituationen immer wieder als Inspiration für eine inzwischen umfangreiche Reihe von Werken, darunter das 2011 entstandene Changeover für Instrumentalgruppen und Orchester, uraufgeführt mit dem Ensemble Modern und dem hr-Sinfonieorchester unter Johannes Kalitzke. Seit langem verbindet ihn eine enge Zusammenarbeit mit dem Ensemble Modern, das inzwischen mehrere seiner Werke uraufgeführt hat, u.a. Runaround (2014), Übürall (2013), Restrung (2012) und Warm-up (2012) und das ihm zuletzt im Frühjahr 2017 an der Elbphilharmonie ein Komponistenporträt widmete. Das NDR Elbphilharmonie Orchester brachte dort in einem zweiten Konzert zudem die Komposition Stand up zur Uraufführung.

Auch zahlreiche weitere Ensembles und Orchester nehmen regelmäßig Werke von Vito Žuraj ins Programm. So brachte das Klangforum Wien unter anderem das 2013 entstandene Fired-up in Mailand, Paris und Wien zur Aufführung. Die halbszenisch angelegte Komposition Insideout wurde vom Scharoun Ensemble unter Matthias Pintscher bei den Salzburger Festspielen 2013 uraufgeführt und 2014 mit dem New York Philharmonic sowie 2016 mit dem Ensemble intercontemporain wiederaufgeführt. Zum 30. Jubiläum der Kölner Philharmonie wurde im September 2016 i-Formation für zwei Orchester und zwei Dirigenten aus der Taufe gehoben, gespielt vom WDR Sinfonieorchester unter Jukka-Pekka Saraste und dem Gürzenich-Orchester Köln unter François-Xavier Roth. Zu den Uraufführungen der vergangenen Spielzeiten zählen Drive für Schlagzeug-Trio und Instrumentalgruppen sowie die Ensemblekomposition Tension, aufgeführt bei den Wittener Tagen für Neue Kammermusik mit dem Klangforum Wien unter Emilio Pomárico und erneut in Wien unter Peter Rundel. Zudem brachte das Philharmonia Orchestra 2018 die englische Fassung seiner Farce Ubuquity für Sopran und Ensemble zur Uraufführung.

In der Saison 2018/19 kam konzeptionell und thematisch Grenzübergreifendes zur Uraufführung: Für das SWR Vokalensemble und das SWR Symphonieorchester entstand die Komposition Der Verwandler, die sich mit dem Alchemisten Johann Friedrich Böttger, Erfinder des europäischen Porzellans, auseinandersetzt. In Kooperation mit der Manufaktur in Meißen kamen Glocken und Windspiele aus Porzellan zum Einsatz. Hors d’oeuvre für Koch-Performer und Kammerorchester beschäftigt sich mit Ritualen in Küche und Komposition und wurde im Juni 2019 vom WDR Symphonieorchester unter Peter Rundel gemeinsam mit dem Sternekoch Daniel Gottschlich aus der Taufe gehoben.

2016 erhielt Vito Žuraj den Claudio-Abbado-Kompositionspreis, der von der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker vergeben wird; die in Folge des Preises entstandene Auftragskomposition Alavó kam in Berlin, Paris und Luzern zur Aufführung. Vito Žuraj ist zudem Träger des Kompositionspreises der Landeshauptstadt Stuttgart sowie des Prešeren-Förder-Preises, der Auszeichnung für Kultur des slowenischen Staates. 2014 war er Stipendiat der Villa Massimo in Rom, der Akademie der Künste in Berlin sowie des ZKM Karlsruhe. Anfang 2019 wurde er von Prof. Monika Grütters für eine Dauer von drei Jahren als Jurymitglied in das Gremium berufen, das die Stipendiat*innen für die Villa Massimo, die Casa Baldi in Olevano, das Deutsche Studienzentrum in Venedig und die Cité des Arts in Paris auswählt.

Aufnahmen von Vito Žurajs Werken sind unter anderem beim Label Neos erschienen; eine Porträt-CD wurde bei Wergo in der Edition zeitgenössische Musik des Deutschen Musikrats veröffentlicht.

Saison 2019/2020

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