Les Percussions de Strasbourg

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CR_Christophe Urbain

Biographie

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Im Laufe von fast 60 Jahren haben Les Percussions de Strasbourg sich ein Instrumentarium geschaffen, in dem alle Erdteile repräsentiert sind – und damit die Grenzen der abendländischen Klangwelt erweitert, wenn nicht gar gesprengt. Über das einzigartige neue Repertoire und über die technischen Errungenschaften hinaus schaffte das Ensemble es, dem scheinbar bunt zusammengewürfelten Material Kohärenz zu verleihen und es wie aus einem Guss erscheinen zu lassen.  Hugues Dufourt

Les Percussions de Strasbourg, gegründet 1962, sind weltweit als Botschafter neuer Musik bekannt. Das Ensemble inspirierte über Jahrzehnte die Entwicklung eines neuen Repertoires: Komponisten wie Messiaen, Stockhausen, Serocki, Kabelac, Ohana, Xenakis, Mâche, Dufourt und viele weitere widmeten Les Percussions de Strasbourg insgesamt über 350 Werke, an deren Entstehung die Gruppe nicht selten durch intensive Klangrecherchen und die Erforschung neuen Instrumentariums beteiligt war. Mit diesem imposanten eigenen Repertoire im Gepäck widmen sich Les Percussions de Strasbourg nach wie vor der Aufgabe, zeitgenössischen Meisterwerken zu lebendigen Interpretationen zu verhelfen sowie für Erneuerung und wachsende künstlerische Diversität zu sorgen.

Umsetzen kann das Ensemble dies dank der vielfältigen Kontakte zu Komponistinnen und Komponisten und dank der Fähigkeit, vom Duo bis zum Oktett verschiedenste Formate zu bedienen, ob mit rein akustischen oder elektronischen Klängen, ob konzertant oder inszeniert. Für seine Aufnahmen ist die Gruppe mit über 30 internationalen Preisen ausgezeichnet worden, darunter 2017 der Victoire de la musique classique für eine Einspielung von Hugues Dufourts Burning Bright, die als erste Veröffentlichung ihres eigenen Labels erschienen ist. 

Auch in der Musikvermittlung und Nachwuchsförderung engagiert sich das Ensemble, insbesondere vor Ort in ihrem Stadtbezirk Hautepierre.

Saison 2019/2020

Wir bitten Sie, diese Biografie unverändert abzudrucken. Auslassungen und Veränderungen sind nur nach Rücksprache mit dem Management gestattet.

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Mediencenter

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Programme

TIMELESSNESS

Performance über die musikalische Geste, für 8 Perkussionist*innen
Thierry De Mey

„Wo sich Musik und Tanz treffen, ist die Geste ebenso wichtig wie der Klang.“  Thierry De Mey

Komposition und Konzept :  Thierry De Mey

Interpret*innen : Minh-Tâm Nguyen, Alexandre Esperet, Flora Duverger, François Papirer, Thibaut Weber, Enrico Pedicone, Hsin-Hsuan Wu, Rémi Schwartz

Kompositorische Mitarbeit: François Deppe

Gestikcoaching: Manuela Rastaldi

Werke: Floor patterns, Frisking, Pièce de gestes, Silence must be, Timelessness, Hands*, Affordance, Musique de tables**

*Konzept und Choreografie: Wim Vandekeybus / Konzept und Musik: Thierry De Mey

**nicht bei der Premiere (Festival Musica, 29.9.2019)

Dauer: 1.20‘

Auftrag und Produktion: Les Percussions de Strasbourg

Koproduktion: Festival Musica

Mit Timelessness widmet sich Thierry De Mey der Praxis des Selbstporträts, indem er alte und neue Stücke in einer Aufführung vereint.  Das Projekt – in seinen Worten ein „künstlerisches und politisches Manifest“ – ist in Zusammenarbeit mit den Percussions de Strasbourg langsam herangereift. Der Fokus des Komponisten liegt vor allem auf dem Körper und dessen Stellenwert für die musikalische Praxis. Während wir sonst durch ein geschichtliches Tabu geprägt sind, das sich in der Neutralisierung der körperlichen Anwesenheit von Musiker*innen durch die schwarze Kleidung äußert, macht Thierry De Mey die Interpret*innen explizit sichtbar und er integriert ihre Gesten und Haltungen in sein Schreiben. Die Sparsamkeit der Mittel, die daraus resultiert, ist alles andere als simpel, wie eines seiner Hauptwerke, die Musique de Tables (1987), beweist. Den Interpret*innen stehen dort lediglich drei Tische zur Verfügung. Die Hände, die Finger, die Fingernägel, die Handflächen und sogar die Knöchel werden zu Instrumenten dieses Körpertheaters, das dem herausragenden szenischen und musikalischen Können der Percussions de Strasbourg eine brillante Bühne bietet.

Thierry De Mey ist Komponist und Filmregisseur. Die Frage nach der Intuition von Bewegung und Sprung durchzieht seine gesamte Arbeit: Postulat seines musikalischen und filmischen Schaffens ist es, „den Rhythmus nicht als einfache Kombination von Zeitdauern innerhalb eines Zeitrasters anzusehen, sondern als Generator von Umsturzimpulsen und neuen Entwicklungen“. Ein großer Teil seines musikalischen Schreibens ist dem Tanz und dem Kino gewidmet. Die Choreograf*innen Anne Teresa De Keersmaeker, Wim Wendekeybus und seine Schwester Michèle-Anne De Mey sehen in ihm oft mehr als einen Komponisten: Er ist gleichermaßen ein wertvoller Partner im Entwickeln „formaler Strategien“, um einen weiteren ihm wichtigen Begriff zu verwenden.

RAINS

Akustisches Rezital für 6 Perkussionist*innen, 60’
T. Hosokawa / M. Kishino / Y. Taira / T. Takemitsu

Regentanz – Toshio Hosokawa – 15‘
Auftragswerk der Percussions de Strasbourg

Uraufführung: 1.11.18 Funkhaus Köln, WDR Konzertreihe „Musik der Zeit“

Mit Unterstützung der Ernst von Siemens Musikstiftung

Toshio Hosokawas Werk Regentanz ist inspiriert von der Tradition zeremonieller Musik in Japan und zeichnet das Bild eines japanischen Gartens, in dem alles zunächst regungslos erscheint und schließlich in Bewegung gesetzt wird. Dem Thema Spiritualität und Schamanismus nähert sich der Komponist mit Hilfe zahlreicher asiatischer Instrumente aus dem Instrumentarium der Percussions de Strasbourg: Tam-Tams, Gongs, Kwon-Gongs, Baolos, Wassergongs, Mokushos… Zwischen kontemplativer Innerlichkeit und symbolischer Ausdeutung der Natur nimmt die Stille einen besonderen Platz in der Ökonomie der Stilmittel ein, die Klang und Körperlichkeit in Resonanz bringen und miteinander in Bezug setzen.

Sange – Malika Kishino – 15’

Auftragswerk des Ministère de la Culture et de la communication
Uraufführung:  5.12.2016 Teatro comunale Città di Vicenza, Italien

Als anlässlich des 10. Todestages von Yoshihisa Taira entstandene Hommage an den Komponisten nutzt Sange hauptsächlich das Instrumentarium, das in Tairas Hierophonie V zum Einsatz kommt. Bei der buddhistischen Zeremonie des Sange bewegen sich Priester im Raum, rezitieren ein Sutra und verstreuen Blütenblätter (wörtlich übersetzt bedeutet Sange „Verstreuen von Blüten“), um die Geister der Verstorbenen zu segnen. Während man ursprünglich frische Lotusblüten dafür verwendete, wird heutzutage meist farbiges Papier benutzt. Die Geste des Verstreuens und die Bewegungen der Priester übersetzte Malika Kishino in klangliche Gesten. Die zahlreichen Spielweisen, ihre Kombinationen und die entstehenden Klangschichten nutzen mehrere Bahnen im Raum, setzen die Klänge in Bewegung und verleihen dem Stück eine elektroakustische Dimension.

Hierophonie V – Yoshihisa Taira – 18’

Auftragswerk des Ministère de la culture / Festival de Royan
Uraufführung: 23.3.1975, Festival de Royan

„Dieses Werk, das mit den ursprünglichen Akten von Schrei und Trommelschlag beginnt, wird im zweiten Teil durch die Negation dieser Akte fortgesetzt. Der Akt des Schlagens ist hier sehr begrenzt. Könnte man die Gelassenheit der Seele in der kontinuierlichen Schwingung der Instrumente wahrnehmen? Ganz aus der Ferne hört man gerade noch die Trommler eines Volksfestes, als würden die Menschen selbst im Schlagen der Instrumente wieder zusammenfinden und sich dadurch den Gesang des Lebensatems bewusst machen. Entsprechend finden die sechs Perkussionist*innen den freien Atem des Körpers wieder. Durch das wiederholte rhythmische Ostinato wollte ich die essentielle Freude des Körpers bekräftigen. Ich widme dieses Werk den Percussions de Strasbourg, mit denen ich während der Proben eine unvergessliche musikalische Erfahrung machen durfte.“ Yoshihisa Taira

Rain Tree – Toru Takemitsu – 12’

Uraufführung: 31.5.1981 Tokio, Festival Music Today, für 3 Perkussionist*innen

„Man nennt ihn den Regenbaum, denn am Tag nach regnerischen Nächten tropft es zumindest bis zum Mittag von seinem gesamten Laub herab, als würde es regnen. Während die anderen Bäume fast sofort trocknen, hält dieser, bedeckt mit extrem dichten Blättern, klein wie Fingertrauben, das Wasser in seinem Laub zurück. Ein kluger Baum, finden Sie nicht?“ aus: Kenzaburô Ôe, Der kluge Regenbaum (orig. Atama no ii rein tsurii)

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