Pierrot Lunaire in Bildern

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Konzept

Neben seiner verdienstvollen Befreiung des Klangs aus dem Diktat der klassischen Tonalität suchte Schönberg auch nach Herausforderungen u.a. im Reiche der Malerei und der Welt des Varietees. Eine ausgesuchte Sammlung seiner Lieder für die leichte Muse kommt nun zur Aufführung in einem Reigen "klingender Bilder". Hierfür treffen eine Sängerin und fünf Musiker vor einer großen Leinwand auf einen kleinen Maler:

Zu jeder Szene der verschiedenen Lieder sucht er auf seiner Malfläche nach neuen Ausdrucksformen, die direkt und von vorne auf die große Leinwand projiziert werden. So entstehen mit dem Gesang immer neue Bilder, die auch alle Ausführenden zu eigenen bildnerischen Elementen im Gemälde machen. Die Malerei integriert die Musik und die Musiker in ihr Spiel mit Farben und Formen, Linien und Flächen, Hellem und Dunklem, Abstraktem und Konkretem. Mit den somnambulen Versen des Otto Erich Hartleben versinkt die Sängerin in eine morbide Phantasiewelt des mondtrunkenen Pierrots, der zerrissen zwischen Selbstironie und Suche nach neuer geistiger Heimat durch seine grotesken und surrealen Träume taumelt. Doch wenn der melancholische Clown ins tiefe Selbstmitleid zu stürzen droht, schützen ihn grober Pinsel oder zarte Linie vor dem Absturz ins nachtschwarze Pathos. Ein malerisch-musikalisches Abenteuer.

Arnold Schönberg - Brettl-Lieder  (arrangiert für kleines Ensemble von Markus Maria Reißenberger)
Erich Wolfgang Korngold -  Suite op. 23
Arnold Schönberg - Pierrot Lunaire op. 21

Es singt Salome Kammer
Es malt Joachim Torbahn
Es musiziert das ensembleKontraste

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biografie

Salome Kammers Universaltalent sprengt Grenzen. Ihr Repertoire kann nicht in Sparten und Fächer eingeordnet werden. Es umfasst Avantgarde-Gesang und virtuose Stimmexperimente, klassisches Melodrama, Liederabende, Dada-Lyrik, Jazzgesang und Broadwaysongs. Ihre Bühnenpräsenz als singende Schauspielerin oder schauspielende Sängerin fasziniert bei musikalischem Kabarett ebenso wie in dramatischen Bühnenrollen des Sprechtheaters. Zahlreiche Werke der neuen Musik hat Salome Kammer in den Konzertsälen der Welt uraufgeführt. Komponisten im In- und Ausland, darunter Helmut Oehring, Wolfgang Rihm, Georges Aperghis, Bernhard Lang, Luca Lombardi oder Jörg Widmann schreiben Stücke für die Künstlerin, die mit ihrem extremen Ausdrucksreichtum und ihren unerschöpflichen stimmlichen Facetten zu immer neuen Produktionen anregt.

Joachim Torbahn, Studium der Malerei in Wien, Bühnenbildner u.a. an der Oper Heidelberg und dem Staatstheater Wiesbaden. Bei "Thalias Kompagnons" seit 1990 als Regisseur, Figuren- und Bühnenbildner, seit 1998 auch als Spieler. Mit seinen Maltheater-Produktionen gelang ihm eine international bestaunte neuartige Synthese von Bildender Kunst und Theater.

Das ensembleKONTRASTE wurde 1990 in Nürnberg gegründet und hat sich rasch einen Namen gemacht durch seine flexiblen Besetzungen, die den Zugang zu unterschiedlichstem Repertoire ermöglichen, und durch die kompromisslose, durchdachte Gestaltung seiner Konzertprogramme. Das Ensemble begleitet Stummfilme, vergibt Kompositionsaufträge, widmet sich den bekanntlich besonders anspruchsvollen Ensemblewerken der Wiener Schule und arbeitet besonders gern mit Sängern zusammen, die künstlerisch genauso neugierig sind wie seine Mitglieder, so z.B. Salome Kammer, das Ensemble Singer Pur oder Christoph Prégardien.

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resonanz

Wie ein Handwerker über den Arbeitsplatz gebeugt, entwirft Joachim Torbahn an einem kleinen separaten Tisch seine Instant-Malerei. Als Technik dient ihm die Hinterglasmalerei, deren Ergebnisse auf großer Leinwand über die Köpfe der Musiker projiziert werden. Dort nehmen die wilden und surrealen Fantasien des Schönbergschen Harlekin „Pierrot Lunaire“ ihre zum Teil blutrünstige Gestalt an. (...)

Salome Kammer trägt die morbide, mondsüchtige Traumwelt mit einer vokalen Artistik vor, der die intensive Auseinandersetzung mit Schönberg nicht nur durch den Verzicht auf jede unterstützende Partitur anzuhören ist. Die fünf Musiker liefern hierzu eine perfekte, das musikalische Detail ehrende Darbietung, indem sie das gemäßigt atonale Melodram Schönbergs mit jenem Schwung und glühender Leidenschaft darbieten, mit der sie zuvor Erich Wolfgangs Korngolds Suite op. 23 als Intermezzo schwelgerisch ausbreiteten.
Schönbergs dunklen Nachtvisionen des melancholischen Clowns gehen an diesem Abend in der Tafelhalle die heiter vergnüglichen „Brettl-Lieder“ voran: Großer Beifall für eine außergewöhnliche Produktion, der das Interesse überregionaler Festivals zu wünschen wäre.
Nürnberger Zeitung

Zu einem fantastisch flirrenden Stimmungsbild ergänzen sich Malerei, Gesang und Kammermusik im außergewöhnlichen Bühnenprojekt „Tulemond und Mondamin“ in der Nürnberger Tafelhalle.

Zwischen Klangfarben und visuellen Farbreizen, Gesang und Rezitation inszenierten das „Ensemble Kontraste“ und „Thalias Kompagnons“ mit Schönbergs „Pierrot Lunaire“ ein Schwellenwerk voller Übergänge. Denn mit Schönbergs Vertonung des gleichnamigen Gedichtzyklus Albert Girauds war der Weg vom Kunstlied zum Chanson, vom Theater zum Kabarett, von der gehobenen Dichtkunst zu den delikaten „Brettl-Liedern“ vielversprechend kurz geworden. (...)
Die Münchner Ausnahmesängerin Salome Kammer balanciert spielend auf dem schmalen Grat zwischen subtiler Überhöhung und vertonten Lebenslinien – und zwischen volltönender Kopfstimme und niederschwelligem Sprechgesang. Leichtgängig und flüssig, unangestrengt, fein nuanciert und traumwandlerisch sicher navigiert Kammer ihren wundersamen wie wunderbaren „Pierrot Lunaire“ zwischen den Ausdrucksformen – mal Bühnentier, mal Traumtänzerin.

Das „Mal-Theater“ von Joachim Torbahn erfindet dazu mit leichter Hand prägnante Farbkompositionen, die dauernd im Fluss bleiben. Die erst erotisch aufgeladenen und dann gewaltdurchfluteten, später sentimentalen, poetischen Ergüsse des schlafwandlerischen Pierrots spiegeln sich in kunstvoll verwischtem Nachtblau, schmutzig-giftigem Blutrot oder ganz nonchalant getupftem Gelb. Was zunächst abstrakt erscheinen mag, verdichtet stets den Klang – und was die musikalische Entwicklung illustriert, führt doch ein Eigenleben auf der Projektionsfläche, auf der auch der Malvorgang augenblicklich sichtbar wird. Ein gelungener Balanceakt.
Nürnberger Nachrichten        

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