Die an der Westküste Kanadas aufgewachsene und inzwischen in Berlin ansässige Sopranistin und Pianistin Rachel Fenlon ist künstlerisch gleichermaßen im Kammermusikbereich wie auf der Opern-bühne beheimatet. Unter dem Namen Fenlon & Fenlon gibt sie regelmäßig Liederabende, bei denen sie sich selbst am Klavier begleitet – mit einem Repertoire von Franz Schubert über George Crumb, Benjamin Britten, Arnold Schönberg und Philip Glass bis hin zu Uraufführungen. In ihrem eigenen Musik- und Gesprächsformat „Classical (R)evolutions with Rachel“ ist sie darüber hinaus regelmäßig auf der Streamingplattform Idagio präsent. Sowohl mit ihren selbst begleiteten Lied-Aufführungen als auch im musikalischen Dialog mit Gästen lotet sie aus, wie eine unkonventionelle und experimen-tierfreudige Haltung das Musizieren bereichern kann.

Rachel Fenlon begann ihre berufliche Laufbahn an der Vancouver Opera und spielte dort zahlreiche Hauptrollen, darunter Pamina (Die Zauberflöte), Mabel (The Pirates of Penzance), Zerlina (Don Giovanni) und zuletzt Susanna (Le Nozze di Figaro). Führende Partien übernahm sie auch an der Pacific Opera Victoria (Nannetta in Falstaff und Queen Guinevere in Camelot), beim Ensemble Nylandia (Galatea in Acis und Galatea), beim Vancouver Symphony Orchestra als Lisa (Das Land des Lächelns) und beim Bard on the Beach Festival in Vancouver (Mimi in La Bohème). Als begeisterte Kammermusikerin trat sie unter anderem beim Toronto Summer Music Festival, dem Oxford Lieder Festival, in den Canadian Broadcasting Company Studios, bei den Bristol Song Recitals, bei Klassik @ Stone Berlin und am Vancouver International Song Institute auf. Darüber hinaus war sie drei Mal als artist-in-residence an der Lunenburg Academy in Nova Scotia zu Gast, und brachte mehrere Auftragswerke dieses renommierten Festivals für zeitgenössische Musik zur Uraufführung, darunter erst kürzlich Gavin Frasers Werk In Flower.

Letztes Jahr debütierte sie an der Oper Leipzig im Liederabend mit dem Pianisten Ugo D'Orazio, und sie kehrte für zwei selbstbegleitete Rezitale an die Vancouver Opera zurück. Diese bildeten den Auftakt zu einer Reihe äußerst erfolgreicher Soloaufführungen von George Crumbs Apparition sowie einem Soloprogramm mit Alma Mahler, Benjamin Brittens On This Island, Franz Schubert und John Cage in Kanada und Großbritannien. Mit der Pianistin Leslie Dala konzertierte sie im Canadian Music Centre mit Messiaens Poèmes Pour Mi und Samy Moussas Ahania's Lament, und sie brachte Susanne Stelzenbachs Licht für zwei Soprane, Flöte und Cello in Berlin zur Aufführung. Zuletzt war Rachel Fenlon in selbstbegleiteten Auftritten in der National SAW Gallery in Ottawa, an verschiedenen Orten in den USA, im Rahmen der Wiener Konzertreihe Late-Night Liederabend sowie in zahlreichen Livestream-Rezitalen unter anderem für die Pacific Opera Canada, die Pocket Concerts Toronto, das Against the Grain Theatre Toronto und das National Arts Center Canada zu erleben.

Neue Werke bilden einen zentralen Bestandteil ihres Repertoires. Eine enge Zusammenarbeit verbindet Rachel Fenlon dabei mit dem Komponisten Matthias McIntire. Letztes Jahr nahmen beide gemeinsam teil an Residencies beim New Music for Strings Festival in Reykjavik, das vom Emerson String Quartet geleitet wird und bei der Avaloch Farms Music Residency in New Hampshire.

In die Saison 2020/21 startet Rachel Fenlon mit der Uraufführung eines von Susanne Stelzenbach neu komponierten Liedzyklus‘ nach Texten von Ida Dehmel beim GEDOK Festival Berlin, das den 150. Geburtstag der Kunstfördererin und Frauenrechtlerin in den Blick nimmt. Weitere Highlights beinhalten die Premiere des gemeinsam mit Matthias McIntire entwickelten Liederzyklus für Gesang, Klavier und Elektronik im Arrey Space Toronto sowie ein selbstbegleitetes Rezital beim PODIUM Festival Matadepera in Barcelona.

Rachel Fenlon begann mit fünf Jahren Klavier zu spielen; als Jugendliche entdeckte sie zusätzlich den Gesang.  2017 erfüllte sie sich ihren langjährigen Traum, das klassisch-romantische Liedrepertoire gleichzeitig zu singen und zu begleiten: Dem Debüt mit einem Schubertprogramm in Toronto folgte eine Tournee durch Europa. Seitdem entwickelte sie verschiedene Programme, in denen sie beide Rollen ausfüllt– von Schubert bis Schumann, von Alma Mahler bis Britten, von Ravel über George Crumb zu John Cage. Als sich selbst begleitende Sängerin nahm sie an Malcolm Martineaus Lieder-Meisterkurs in Crear/Schottland sowie am Meisterkurs des Oxford Lieder Festival teil; bei beiden Festivals trat sie zudem in ihrer Doppelrolle mit Rezitalprogrammen auf.  

Rachel Fenlon machte ihren Abschluss im Fach Operngesang an der University of British Columbia. Sie studierte Gesang bei Nancy Hermiston, Judith Forst und Neil Semer; als Pianistin war sie Schüle-rin von May Ling Kwok am Victoria Conservatory of Music. Kompositionsunterricht erhielt sie bei Stephen Brown, und sie erhielt wertvolle Impulse von Dinuk Wijerhatne und Marco Stroppa. 2017 gründete sie in Mailand gemeinsam mit anderen die Kammermusikserie Ricasoli Recitals.                         

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