Die etwas unbekanntere Prometheus Musik ist für das Verständnis des Beethoven'schen Schaffens von sehr großer Bedeutung, da sie in mehrfacher Hinsicht die Stellung eines Schlüsselwerkes einnimmt. Das Schlussthema des Finales (Prometheus-Thema) schafft nicht nur die Verbindung zum Ideenkomplex der Dritten Sinfonie, sondern auch zu den „Eroica-Variationen“ (oder: Die Prometheus-Variationen) für Klavier in Es-Dur, op. 35. Das Prometheus-Thema ist wohl das einzige Thema, das explizit in drei – und wenn man die Nummer 7 der Kontretänze, WoO 14 dazu nimmt – in vier Werken Beethovens erscheint.

Beethoven hat sich zwischen 1801 und 1803 sehr intensiv mit diesem Thema beschäftigt. Denn in den Jahren 1801/1802 erlebte er die große existenzielle Krise, ergreifend dokumentiert in dem sogenannten „Heiligenstädter Testament“. Und es ist nicht auszuschließen, dass er sich selbst, um sein Schicksal zu bewältigen, zu einen gewissen Grade mit der Prometheus-Figur identifizierte. Aber Beethovens Interesse für das Prometheus-Thema dürfte auch rein musikalischen Ursprungs gewesen sein. Im Grunde genommen ist es ein relativ abstraktes Motiv, aber für Beethoven lag das Interesse nicht in ihrer natürlichen Identität, sondern in den Möglichkeiten der Verarbeitung und Entfaltung. Beethoven behandelt das Thema wie ein Prisma, das immer wieder das einfallende Licht bricht und phantasievoll streut.

Dadurch,  dass die drei „Prometheus-Kompositionen“ in einem Programm (in drei verschiedenen Gattungen) zusammengebracht werden, bekommt der Zuhörer die Möglichkeit, den wunderbaren und neuen Bezug Beethovens zum thematischen Material zu verstehen und zu schätzen.

Es mag für das Publikum vielleicht ein wenig ungewohnt sein, dass in einem Orchesterkonzert die Eroica-Variationen für Klavier solo gespielt werden, aber Jan Caeyers möchte mit dieser Programmwahl die Form des etwas "verstaubten" klassischen Sinfoniekonzerts ein wenig aufbrechen.