Die schöne Müllerin ist ein Stück über das sexuelle Erwachen. Ein junger Mann begibt sich auf Wanderung, an einem Bach entlang führt ihn sein Weg zu einer Mühle, in der er sich, angezogen von der dort lebenden Müllerstochter, als Arbeiter verdingt. Hier im sozialen Umfeld der Handwerksgesellen macht er die Erfahrungen des Heranwachsens. Die erwachenden Liebesgefühle für das Mädchen verwirren ihn; im Gespräch mit dem Bach versucht er, sie zu verarbeiten. Die direkte Kommunikation mit der schönen Müllerin scheitert an jugendlicher Befangenheit; offensichtlich spielen die unterschiedlichen Geschwindigkeiten innerhalb der Adoleszenz der beiden eine Rolle für dieses Scheitern. Im weiteren Verlauf der Geschichte ergibt sich eine Konkurrenzsituation, in der der junge Mann erleben muss, dass ein reiferer, stärkerer Mann die Aufmerksamkeit der jungen Frau auf sich zieht. Er durchlebt verschiedene Stadien von Wut, Eifersucht, Verzweiflung und Lethargie, bevor er am Ende des Stückes Ruhe findet durch Verschmelzung mit dem Bach, der von Beginn des Stückes an sein Begleiter und Freund war.

Wilhelm Müllers Gedichtfolge erzählt Die Schöne Müllerin aus der Ich-Perspektive des jungen Mannes. Zentrales Element dieser Schilderung ist die Verwendung von Symbolen unterschiedlicher Art. Der Bach als durchs Leben geleitender Freund, die Mühle als symbolischer Schauplatz der Heranreifung, Farben als Indikatoren von Emotionen, Gegenstände, die als Signale gedeutet werden: die Geschichte lebt von der Überhöhung des Geschehens durch den Blickwinkel jugendlicher Phantasie; die dabei verwendete Symbolik ist die des 19. Jahrhunderts.

Ist auch dein ganzer Liebster weiss, soll Grün doch haben seinen Preis.