Wie ein Handwerker über den Arbeitsplatz gebeugt, entwirft Joachim Torbahn an einem kleinen separaten Tisch seine Instant-Malerei. Als Technik dient ihm die Hinterglasmalerei, deren Ergebnisse auf großer Leinwand über die Köpfe der Musiker projiziert werden. Dort nehmen die wilden und surrealen Fantasien des Schönbergschen Harlekin „Pierrot Lunaire“ ihre zum Teil blutrünstige Gestalt an. (...)

Salome Kammer trägt die morbide, mondsüchtige Traumwelt mit einer vokalen Artistik vor, der die intensive Auseinandersetzung mit Schönberg nicht nur durch den Verzicht auf jede unterstützende Partitur anzuhören ist. Die fünf Musiker liefern hierzu eine perfekte, das musikalische Detail ehrende Darbietung, indem sie das gemäßigt atonale Melodram Schönbergs mit jenem Schwung und glühender Leidenschaft darbieten, mit der sie zuvor Erich Wolfgangs Korngolds Suite op. 23 als Intermezzo schwelgerisch ausbreiteten.
Schönbergs dunklen Nachtvisionen des melancholischen Clowns gehen an diesem Abend in der Tafelhalle die heiter vergnüglichen „Brettl-Lieder“ voran: Großer Beifall für eine außergewöhnliche Produktion, der das Interesse überregionaler Festivals zu wünschen wäre.
Nürnberger Zeitung

Zu einem fantastisch flirrenden Stimmungsbild ergänzen sich Malerei, Gesang und Kammermusik im außergewöhnlichen Bühnenprojekt „Tulemond und Mondamin“ in der Nürnberger Tafelhalle.

Zwischen Klangfarben und visuellen Farbreizen, Gesang und Rezitation inszenierten das „Ensemble Kontraste“ und „Thalias Kompagnons“ mit Schönbergs „Pierrot Lunaire“ ein Schwellenwerk voller Übergänge. Denn mit Schönbergs Vertonung des gleichnamigen Gedichtzyklus Albert Girauds war der Weg vom Kunstlied zum Chanson, vom Theater zum Kabarett, von der gehobenen Dichtkunst zu den delikaten „Brettl-Liedern“ vielversprechend kurz geworden. (...)
Die Münchner Ausnahmesängerin Salome Kammer balanciert spielend auf dem schmalen Grat zwischen subtiler Überhöhung und vertonten Lebenslinien – und zwischen volltönender Kopfstimme und niederschwelligem Sprechgesang. Leichtgängig und flüssig, unangestrengt, fein nuanciert und traumwandlerisch sicher navigiert Kammer ihren wundersamen wie wunderbaren „Pierrot Lunaire“ zwischen den Ausdrucksformen – mal Bühnentier, mal Traumtänzerin.

Das „Mal-Theater“ von Joachim Torbahn erfindet dazu mit leichter Hand prägnante Farbkompositionen, die dauernd im Fluss bleiben. Die erst erotisch aufgeladenen und dann gewaltdurchfluteten, später sentimentalen, poetischen Ergüsse des schlafwandlerischen Pierrots spiegeln sich in kunstvoll verwischtem Nachtblau, schmutzig-giftigem Blutrot oder ganz nonchalant getupftem Gelb. Was zunächst abstrakt erscheinen mag, verdichtet stets den Klang – und was die musikalische Entwicklung illustriert, führt doch ein Eigenleben auf der Projektionsfläche, auf der auch der Malvorgang augenblicklich sichtbar wird. Ein gelungener Balanceakt.
Nürnberger Nachrichten