György Ligeti

Három Weöres-dal

Titel
Három Weöres-dal
Untertitel
Drei Lieder nach Texten von Sándor Weöres für Singstimme und Klavier
Dauer
06:00
Anzahl Mitwirkende
2
Entstehung
1946
Satzangaben
I Táncol a hold fehér ingben (Es tanzt der Mond in weißem Hemd)
II Gyümölcs-fürt (Fruchttraube, geschaukelt vom Wind)
III Kalmár jött nagy madarakkal (Ein Krämer kam mit großen Vögeln)
Audio
Copyright

György Ligeti Edition Vol. 4 © 1996 Sony Music Entertainment Inc./ ℗ 1996 Sony Classical
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Kommentare des Komponisten zum Werk

Nach einer sehr provinziellen Jugend in Siebenbürgen ging ich nach Kriegsende, als Zweiundzwanzigjähriger, nach Budapest, um Komposition zu studieren. Mein musikalisches Ideal war eine »ungarische Moderne«, mein Vorbild Bartók. Die Drei Weöres-Lieder (Három Weöres-dal) aus meinem ersten Studienjahr 1946 stehen am Anfang einer kompositorischen Entwicklung, die dann 1948 durch die Etablierung der kommunistischen Diktatur jäh unterbrochen wurde.

Vor diesem Schicksalsjahr war ich ein typischer junger Linksintellektueller, gegen die Nazis und die ungarischen Rechtskonservativen eingestellt und an die Utopie des Sozialismus glaubend. Stalins »surreal existierender Sozialismus« bescherte uns dann solche Enttäuschungen und Demütigungen, dass ich bald immun wurde gegen alle Ideologien. Ich hatte noch Glück, denn ich war – trotz massiver Propaganda – vorsichtig genug, nicht in die »Partei« einzutreten. Den aufoktroyierten »sozialistischen Realismus« (es war eher Irrealismus, billigste Propaganda) konnte ich mir vom Leibe halten, dennoch versuchte ich, eine nichtchromatische und nichtdissonante Musik zu schreiben. Selbstverständlich bedeutete das Anpassung, doch zunächst durchschaute ich nicht die Vergeblichkeit dieses Kompromisses. Um die obligatorischen »progressiven« Texte zu vermeiden, boten sich zwei Auswege: a) die Hinwendung zur Folklore und b) die Zuflucht zu Gedichten der ungarischen »Klassiker«, die ihre Werke noch vor der Machtergreifung Lenins geschrieben hatten.

Einführungstext für das Begleitheft zur CD-Edition bei Sony Classical (György Ligeti Edition 4, »Vocal Works«, SK 62311), 1996.

Abdruck aus: György Ligeti, Gesammelte Schriften (Veröffentlichungen der Paul Sacher Stiftung, Bd. 10), hrsg. von Monika Lichtenfeld, Mainz: Schott Music 2007, Bd. 2, S. 146. © Paul Sacher Stiftung, Basel und Schott Music GmbH & Co. KG, Mainz, Bestellnummer: PSB 1014

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