Chaya Czernowin

Komponistin

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General Management

CR Astrid Ackermann

Termine

22.10. 17:00
Baarsporthalle, Donaueschingen

Chaya Czernowin,  GUARDIAN

Séverine Ballon, Violoncello
SWR Symphonieorchester
Chaya Czernowin, Komposition
Pablo Rus Broseta, Dirigent

17.11. 19:00
Philharmonie Luxembourg

Chaya Czernowin,  GUARDIAN

Chaya Czernowin, Komposition
Orchestre Philharmonique de Luxembourg
Roland Kluttig, Dirigent
Séverine Ballon, Violoncello

Biografie

„Lebendig, intuitiv, wild und so undefiniert wie das reine Erleben – kann Musik das sein? Ich habe solche Musik gehört – selten zwar, aber sie hat mein Leben verändert. Darauf hinzuarbeiten, ist ein schwieriger Balanceakt: Man muss so sensiblen Sinnes sein, als hätte man keine Haut, während man die analytische Klarheit, Präzision und Konzentration eines Chirurgen mit dem Skalpell walten lässt.“ [C. Czernowin]

Eine in der unmittelbaren Sinneserfahrung verankerte Musik, die immer wieder durch ein Über- und Ineinander ihrer Elemente das Verhältnis von Gegenwärtigem und Verschüttetem erforscht, kennzeichnet das Schaffen von Chaya Czernowin. Die 1957 in Haifa geborene Komponistin ist geografisch wie musikalisch eine Reisende: Sie erlernte ihr musikalisches Handwerk zunächst bei Abel Ehrlich und Yitzhak Sadai in Israel, ehe sie im Alter von 25 Jahren mit Hilfe eines DAAD-Stipendiums ihre Kompositionsstudien in Berlin bei Dieter Schnebel fortsetzte. In den USA studierte sie danach am New Yorker Bard College und promovierte dann als Schülerin von Roger Reynolds und Brian Ferneyhough an der University of California San Diego. Während einer anschließenden Phase des Reisens und Komponierens hielt sie sich als Stipendiatin unter anderem in Japan (Asahi-Shimbun-Stipendium, NEA-Stipendium) und Deutschland (Akademie Schloss Solitude) auf.

Chaya Czernowins Werke für Kammer- und Orchesterbesetzungen, die oft auch mit elektronischen Elementen arbeiten, wurden bei den bedeutendsten Festivals für zeitgenössische Musik in Europa, Asien und Nordamerika aufgeführt. Nachdem sie in ihren Kammermusikwerken der 90er Jahren wie Afatsim (1996) und dem String Quartet von 1995 mit Fragmentierung und instrumentalen Identitäten gespielt hatte, war es ein Musiktheaterwerk, das ihr zum internationalen Durchbruch verhalf: Pnima... ins Innere entstand im Jahr 2000 für die Münchener Biennale und wurde von der Zeitschrift Opernwelt als „Uraufführung des Jahres“ gekürt sowie mit dem Bayerischen Theaterpreis ausgezeichnet. In dem auf einer Erzählung von David Grossmann basierenden Stück setzt sich die Komponistin mit der Archäologie des Erinnerns und damit indirekt auch mit ihrer eigenen Biografie als Tochter zweier Holocaust-Überlebender auseinander. Ihre zweite Oper Adama wurde von den Salzburger Festspielen anlässlich des 250. Geburtstages von Mozart als Gegenstück zu dessen Singspiel-Fragment Zaïde in Auftrag gegeben. In enger Verflechtung mit Mozarts Werk zeigt Adama die Verzweiflung des seiner Selbstbestimmung beraubten Individuums in einer von nationalistischem Wahn bestimmten Welt.

Die etwa zeitgleich begonnene und fortlaufend weitergeführte Reihe ihrer Winter Songs interpretiert das gleiche Septett-Material auf immer wieder neue Weise und schafft so jeweils ein komplett anderes musikalisches Erlebnis. Maim (2001-07) für großes Orchester, Solisten und Elektronik erforscht die Körperlichkeit und Beweglichkeit von musikalischem Material. In HIDDEN (2013-14) für Streichquartett und Elektronik wird eine verlangsamte Wahrnehmung von Zeit an verzerrte Spiegelungen des Materials gekoppelt, wodurch ein Blick auf eine andersartige Welt entsteht.

In der letzten Saison kamen mehrere große Werke von Chaya Czernowin zur Uraufführung. Die Oper Infinite Now, die im April unter der Leitung von Titus Engel an der Opera Vlaanderen in Gent erstmals zu sehen war und danach in Antwerpen, Mannheim und Paris auf die Bühne kam, wurde mit viel Kritikerlob bedacht. Basierend auf einer Erzählung der chinesischen Autorin Can Xue sowie Luk Percevals Drama Front, seinerseits nach Erich Maria Remarques Im Westen nichts Neues entstanden, erforscht die Oper die Dehnungen der Zeit innerhalb katastrophaler Ausweglosigkeit. Schon Ende März eröffnete Chaya Czernowins Komposition On the Face of the Deep das Genesis-Projekt des Ensemble Intercontemporain, das anlässlich seines 40jährigen Bestehens sieben Kompositionsaufträge mit Bezug zu jeweils einem Tag der Schöpfung vergeben hatte.

Die Saison 2017/18 beginnt mit der Uraufführung ihres Cellokonzertes Guardian bei den Donaueschinger Musiktagen mit Séverine Ballon. Das Werk wird im November im Rahmen der Rainy Days in Luxemburg zu hören sein. Auch auf die Uraufführung eines Werkes für das Ensemble Loadbang mit seiner ungewöhnlichen Besetzung (Bariton, Trompete, Posaune, Bassklarinette) darf man gespannt sein.

Das Unterrichten ist für Chaya Czernowin ein wichtiger Prozess, um sich fortwährend kompositorisch weiterzuentwickeln. Regelmäßig war sie in den 90er Jahren bei den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt als Dozentin zu Gast. Von 1997 bis 2006 lehrte sie Komposition an der University of California San Diego, ehe sie als Kompositionsprofessorin an die Universität für Musik und darstellende Kunst Wien berufen wurde. 2009 folgte der Ruf an die Harvard University, wo sie nach wie vor lehrt. Seit 2003 leitet sie die Internationale Meisterklasse für junge Komponisten, die sie gemeinsam mit dem Leiter der Akademie Schloss Solitude, Jean-Baptiste Joly, und ihrem Ehemann, dem Komponisten Steven Takasugi, gründete. Auch beim israelischen Festival Tzlil Meudcan unterrichtet sie den kompositorischen Nachwuchs.

Chaya Czernowin hat eine Vielzahl an Auszeichnungen erhalten, darunter den Kranichsteiner Musikpreis (1992), den Komponistenförderpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung (2003), den Rockefeller Foundation Prize (2004), den Fromm Foundation Award (2008), ein Guggenheim Fellowship Award (2011) und den Heidelberger Künstlerinnenpreis (2016). Sie war Composer in Residence der Salzburger Festspiele 2005/06 und des Luzern Festivals 2013. Ihre bei WERGO erschienene CD The Quiet mit Orchesterwerken wurde im vergangenen Jahr mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Weitere Aufnahmen sind bei Mode records, Col Legno, Deutsche Grammophon, Neos, Ethos, Telos und Einstein Records herausgekommen. Ihre Werke erscheinen bei Schott. Sie ist Mitglieder der Akademie der Künste Berlin.

Saison 2017/18

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Resonanz

Man muss sich einlassen auf diese fremde musikalische Sprache, die Hörgewohnheiten negiert, Geräusche emanzipiert und immer zerbrechlich bleibt. (…) Sie ist mühevoll, herausfordernd und auch ermüdend in ihrer Langsamkeit, kann aber auch bis zur Schmerzgrenze gehen in musikalisch extremen Momenten, wenn die hohen Frequenzen zum Tinnitus werden. Dann ist es wieder so still, dass man nur noch den Atem hört – wie im Schützengraben. In diesem unbehausten Terrain kann schon ein einzelner, schlichter Ton von Altus Terry Wey berühren oder eine Gesangslinie von Noa Frenkel Sinn stiften.
Badischen Zeitung, Georg Rudiger, 24.04.2017 zur Uraufführung von Infinite Now in Gent

In der Musik ist bei aller Reduktion des Tonsatzes im Detail unglaublich viel los. Das ist sehr sorgfältig gearbeitet und immer wieder faszinierend, welche Facetten da entstehen.
Deutschlandradio Kultur, Frieder Reininghaus, 18.04.2017 zu Infinite Now

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Werke

Eine Liste aller Werke von Chaya Czernowin finden Sie auf der Internetseite des Schott Verlags.

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Mediencenter

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