Mit Musik von Franz Schubert | Nach Texten von Hans Hachmann
Ein Konzert, das sich zum biografischen Gastspiel eines großen Musikers wandelt. Auf der Bühne werden exemplarische Episoden aus dem kurzen Leben Franz Schuberts rezitiert, am Klavier zu vier Händen ebenso exemplarische Stücke aus seinem Opus vorgetragen. Die Texte des SWR-Musikredakteurs Hans Hachmann machen die Atmosphäre dieser Zeit lebendig und greifbar. Dabei wird Schuberts „Doppelnatur“ im Hinblick auf Wiener Heiterkeit bei gleichzeitiger tiefer Melancholie ebenso in den Blick genommen wie seine häufige Entscheidung zur Vierhändigkeit als Notwendigkeit dargestellt und nachvollzogen.
Moments musicaux
Ein musikalisch-literarisches Kaleidoskop über das Leben Franz Schuberts

Konzept
Auszüge aus dem Text von Hans Hachmann:
Die Brille | Musik (Militärmarsch D-Dur)
So richtig marschiert ist er ja eigentlich nie, der Franzl, der Talgklumpen, der Bertl, Kanevas, Schwammerl oder wie auch immer er genannt wurde; und Schubert wird froh gewesen sein, einem immerhin für 14 Jahre drohenden Militärdienst entflohen zu sein. Gut, dafür musste der 16-jährige sich blutenden Herzens, wie schon sein gestrenger Vater, dem Schuldienst verschreiben – Lehrer waren, laut Anordnung von kaiserlicher Stelle, vom Dienst an der Waffe verschont. Erst nach der Musterung erfährt Franz Schubert, dass er mit seinen 1, 56 m Körpergröße ohnehin zu klein gewesen wäre. Dazu kam eine damals noch unerforschte Zuckerkrankheit, die damit verbundenen Stimmungsschwankungen und eine Sehschwäche, die ihn Zeit seines kurzen Lebens zum Brillenträger machte – 3, 75 Dioptrin, sphärisch, befanden die Augenärzte... - In Schuberts Geburtshaus ist sie – als „besonders auratisches Objekt“ – zu besichtigen, jene auf fast allen Schubert-Bildern zu sehende Schläfenbrille mit X-Steg und einer Stahlfassung um die runden, in der Mitte waagrecht gesprungenen Gläser, die so typisch für sein Äußeres gewordene Brille, „in dem blassen, aber wie bei allen Genies lebhaften Gesicht, vor den sanften, lichtbraunen, bei Erregung feurig leuchtenden Augen“. Schubert trug die Brille auch des Nachts, um – wie er sagte – am nächsten Morgen gleich weiterkomponieren zu können... – sie ist wohl der bekannteste seiner persönlichen Erinnerungsgegenstände, neben „Reliquien“ seiner natürlich sich kräuselnden braunen Haare. Aber auch ein Stück Rippe soll es geben und einen silbernen Zahnstocher...
Die Brille kann sich in Wien heutzutage jeder nachbauen lassen – man sieht dann zwar so aus wie Schubert, so komponieren kann man deswegen noch lange nicht.
Programm
Mitwirkende
GrauSchumacher Piano Duo
Das muss man erstmal hinkriegen. Das GrauSchumacher Piano Duo hat das Klavierspiel für vier Hände perfektioniert. […] Das Entscheidende ist die Freiheit, die sie dadurch im Konzert, im Moment des Musizierens erreichen. Man könnte auch sagen: Perfektion ist für die beiden lediglich eine Grundlage, wirklich Musik zu machen. (Süddeutsche Zeitung)
Ulrich Noethen
Ulrich Noethen ist einer der führenden deutschen Charakterdarsteller in Film und Fernsehen. Nach seinem Schauspielstudium an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart führten ihn Theaterengagements u. a. nach Freiburg, Köln und Berlin. Er arbeitete mit Regisseuren wie Frank Castorf, Hans Neuenfels und Thomas Langhoff und hinterließ durch seine Rollen in Inszenierungen wie "Hamlet", "Faust", "Die Wildente" und "Ein Sommernachtstraum" bleibenden Eindruck.
Einem breiten Kinopublikum wurde er durch seine Darstellung des A-cappella-Sängers Harry Frommermann im erfolgreichen Film "Comedian Harmonists" bekannt. Für diese Rolle wurde er 1998 mit dem Bayerischen und dem Deutschen Filmpreis in der Kategorie "Beste männliche Hauptrolle" ausgezeichnet. In den darauffolgenden Jahren war er in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen zu erleben, u. a. in "Gripsholm" (2000), "Der Untergang" (2004), "Die Unsichtbare" (2010), "Hannah Arendt" (2012), "Das Tagebuch der Anne Frank" (2016), als Fritz Bauer in "Die Akte General" (2016), als Prof. Ferdinand Sauerbruch in der zweiten Staffel der Fernsehserie "Charité" (2019), in "Louis van Beethoven" (2019), der "Wendland"-Serie (seit 2022), "Ungeschminkt" (2023) und der Serie "Parallel Me" (2025).
Er wurde mit zahlreichen Auszeichnungen wie dem Bayerischen Filmpreis (1998), dem Deutschen Fernsehpreis (2006), der Goldenen Kamera (2006), dem Grimme-Preis (2009 und 2010) sowie dem Deutschen Schauspielpreis (2012) geehrt, zuletzt mit dem Preis der Deutschen Akademie für Fernsehen (2022).
Ulrich Noethen ist darüber hinaus ein renommierter Hörbuchsprecher, für seine Lesung des Romans "Nackter Mann, der brennt" von Friedrich Ani erhielt er 2017 den Deutschen Hörbuchpreis. Im Musikbereich hat er bereits mit dem Delian Quartett, dem Boulanger Trio und dem GrauSchumacher Piano Duo zusammengearbeitet, außerdem mit Dirigenten wie Manfred Honeck, Justin Doyle, Wolfgang Katschner, Václac Luks, Hans-Christoph Rademann, Simon Rattle und Thomas Hengelbrock.
Resonanz
„14 Miniaturen, aus dem Leben Schuberts gegriffen, die in ihrer Anschaulichkeit und Intimität mehr über den Mann und Musiker, den Denker und Freund, den Liebhaber und Leichtsinnigen verraten als manche Biografie von vielen hundert Seiten. (…) So farbig und anschaulich sind die Geschichten erzählt, dass man sich als Zuhörer ganz vertraut fühlt mit den Kupelwieser und Mayrhofers, mit Sonnleithner, Schober und Senn und wie sie alle hießen aus der verschworenen Wiener Gemeinschaft. (…) Indem Autor, Rezitator und Musiker wie in einer Sinfonie verschiedene Themen, Stimmen und Tempi miteinander verweben, indem sie Raum lassen, in dem sich Briefe, Gedanken und musikalische Werke Schuberts simultan entfalten, umschiffen sie die Versuchungen des Anekdotischen und entlocken dem Kaleidoskop ein ganzheitliches Bild des Komponisten. Dies alles bliebe jedoch flüchtig, bekäme das Gesamtwerk nicht durch das vorzügliche Spiel von Andreas Grau und Götz Schumacher jenen Halt, der den Worten der Erzählung das Weiterleben in den Gedanken der Zuhörer erlaubt.“
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, Februar 2019
„Ulrich Noethen [schafft] unmittelbare Nähe zu Schubert, spricht aus dessen Zeilen um Liebe und Schmerz zum Publikum wie ein eng Vertrauter des Komponisten. Und das GrauSchumacher Piano Duo formt mit innigem Spiel die Erzählung zu einer Gesamtkomposition mit feinsinnig modellierten Tongebungen […]. Im Kaleidoskop aus Texten des ehemaligen SWR-Redakteurs Hans Hachmann entsteht eine quasi neue Schubertsinfonie, die […] den direkten Draht zu Schubert herstellt. Das GrauSchumacher Piano Duo trägt in diesem Zusammenspiel mit Tönen in allen Facetten die Worte. Intelligent, subtil und immer reich an Klangfarben, schafft das Duo es, Worte zu bebildern. Neben den ausgefeilten Rezitationen Ulrich Noethens kommt hier mit Andreas Grau und Götz Schumacher „Die Forelle“ genauso auf den Tisch wie „Der Erlkönig“ sich Gehör verschafft. Dabei entsteht ein formvollendetes Werk, das Musik sprechen lässt und Sprache in Musik verwandelt."
HILDESHEIMER ZEITUNG, März 2019