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Unermüdlich an neuen künstlerischen Konzepten forschend begeistert sich der 1976 in Barcelona geborene Komponist Hèctor Parra für bildende Kunst, Literatur, Evolutionsbiologie und theoretische Physik – Bereiche, die sein musikalisches Schaffen inspirieren. In seinen Bühnen- und multidisziplinären Projekten arbeitet er nicht nur mit führenden Autor:innen und Regisseur:innen, sondern immer wieder auch mit bildenden Künstler:innen und Wissenschaftler:innen zusammen.
Die Spielzeit 2026/27 ist geprägt von einer großen Opernuraufführung: Miroir de nos peines kommt im April und Mai 2027 an der Opéra national de Paris/Palais Garnier in einer Inszenierung von Mariame Clément auf die Bühne. Jean-Luc Vincent schrieb das Libretto nach dem Bestseller von Pierre Lemaitre, dem fulminanten Abschluss seiner Trilogie über die Zwischenkriegszeit in Frankreich bis zum Einmarsch der deutschen Wehrmacht im Jahr 1940. An der Casa da Música in Porto steht Hèctor Parra 2026 und 2027 außerdem als Composer in Residence im Fokus, mit Wiederaufführungen zentraler Werke sowie Uraufführungen.
Hèctor Parras Werke für die Opernbühne erregen seit Jahren immer wieder große Aufmerksamkeit. Das geopferte Leben nach einem Libretto von Marie NDiaye, komponiert für das Freiburger Barockorchester und das Ensemble Recherche, wurde bei der Münchner Biennale 2014 begeistert aufgenommen. Im Folgejahr kam bei den Schwetzinger SWR Festspielen Wilde (Libretto: Händl Klaus) zur Uraufführung („ein Meisterwerk“, Süddeutsche Zeitung). Ein herausragender Erfolg gelang mit der Oper Les Bienveillantes, deren Libretto Händl Klaus basierend auf dem gleichnamigen Roman von Jonathan Littell schuf und die in der Inszenierung von Calixto Bieito an der Opera Vlaanderen auf die Bühne kam. Die internationale Presse sprach von der „wichtigsten Oper des 21. Jahrhunderts“ (La Vanguardia), von einer „äußerst ausdrucksstarken Musik, meisterhaft orchestriert“ (Neue Zürcher Zeitung) und von einer „Grenzerfahrung“ (Crescendo Magazine). Ähnlich euphorische Kritiken erhielten seine beiden folgenden Opern: Orgia, komponiert 2022 bis 2023 nach einem Libretto von Calixto Bieito auf Grundlage der Tragödie von Pier Paolo Pasolini, wurde mit dem wichtigsten Opernpreis in Spanien, dem Opera XXI Award, ausgezeichnet. Zuletzt kam 2024 Justice im Grand Théâtre de Genève zur Uraufführung. Die von Milo Rau inszenierte hochpolitische Oper nach einem Libretto des kongolesischen Schriftstellers Fiston Mwanza Mujila bewegte Publikum und Kritik: „Ein absoluter Triumph“ (Ópera Actual), „Eine neue Art, Oper zu machen“ (Anaclase).
Musik von Hèctor Parra steht außerdem regelmäßig auf den Programmen von Festivals wie dem Lucerne Festival, Wien Modern, den Donaueschinger Musiktagen, dem Huddersfield Contemporary Music Festival (Composer in Residence 2013) und den Rainy Days in Luxemburg sowie von Konzertsälen wie der Philharmonie de Paris, dem Wiener Konzerthaus, dem Auditorio Nacional de Música in Madrid und dem Palau de la Música Catalana (Composer in Residence 2015 bis 2018), dem Nouveau Siècle in Lille (Composer in Residence 2017–2018), dem Gasteig in München und der Wigmore Hall in London. Inzwischen hat er über hundert Kompositionsaufträge erhalten von Institutionen wie dem Guggenheim Museum in New York, dem Louvre, der Elbphilharmonie Hamburg, der Akademie der Künste Berlin, dem Gran Teatre del Liceu, dem Staatstheater Stuttgart, dem Théâtre des Bouffes du Nord, dem Ircam-Centre Pompidou, den Rundfunkanstalten SWR, WDR und Radio France, dem Gürzenich-Orchester oder der Kölner Philharmonie. Ensembles und Orchester wie das Arditti Quartet, JACK Quartet, ensemble recherche, Klangforum Wien, Freiburger Barockorchester, BBC Scottish Symphony Orchestra und das Tokyo Philharmonic Orchestra haben seine Musik interpretiert.
Zu den wichtigen Uraufführungen der vergangenen Dekade gehören dabei das 2018 im Auditori in Barcelona vom Ensemble intercontemporain und dem Orquestra simfònica de Barcelona i Nacional de Catalunya (OBC) unter Kazushi Ono aufgeführte Inscape für Solistenensemble, Orchester und Elektronik und das 2022 gemeinsam vom Remix Ensemble unter Peter Rundel und dem Ensemble intercontemporain unter Lucie Leguay interpretierte La mort i la primavera. Das OBC unter der Leitung von Ludovic Morlot brachte 2025 Deux constellations pour orchestre d'après Joan Miró zur Uraufführung; im gleichen Jahr hob das WDR Sinfonieorchester unter Christian Karlsen beim Festival ACHT BRÜCKEN in Köln die Konzertoper Ich ersehne die Alpen; So entstehen die Seen (Libretto: Händl Klaus) aus der Taufe.
Nach einem Kompositions- und Klavierstudium am Musikkonservatorium von Barcelona absolvierte Hèctor Parra 2002–2003 den Kurs für Komposition und Musikinformatik am IRCAM, wo er später selbst unterrichtete. 2005 erwarb er einen Master-Abschluss in Kunstwissenschaften und -technologie an der Universität Paris VIII. Er setzte sein Kompositionsstudium 2005–2006 bei Michael Jarrell an der Musikhochschule Genf fort und erhielt weitere Impulse von Jonathan Harvey, Brian Ferneyhough, Beat Furrer und Philippe Manoury am IRCAM, an der Akademie der Fondation Royaumont, am Centre Acanthes (Frankreich) und in Takefu (Japan). Neben der Musik studierte er Malerei und Zeichnen im Atelier von Francesc Miñarro in Barcelona.
Hèctor Parra wurde mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet, darunter der SACD Music Prize 2025, die Goldmedaille des Gran Teatre del Liceu 2025, der Grand Prix der Académie Charles Cros 2024, der Alícia-Preis 2022 der Katalanischen Musikakademie, die Ernennugn als Stipendiat der Französischen Akademie in Rom/Villa Medici 2021/22, der Nationale Kulturpreis Kataloniens 2017 und der Kompositionspreis der Ernst von Siemens-Musikstiftung 2011.
Seit 2002 lebt Hèctor Parra in Paris. Seine Werke werden von Durand/Universal Music Publishing Classical (seit 2010) und vom Verlag Editorial Tritó (1999 bis 2010) verlegt.
Website: http://hectorparra.net/
Saison 2026/27
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Hèctor Parra - Orgia (reportage)
Calixto Bieito, stage directionCité de la musique - Philharmonie de Paris26 November 2025
Hèctor Parra - Streichtrio
Hèctor Parra - Opéra Justice
Grand Théâtre de GenèveMilo Rau, Stage directionTitus Engel, conductionFiston Mwanza Mujila, libretto
Hèctor Parra - La Mort i la primavera
Ensemble intercontemporain/ Lucie Leguay, directionRemix Ensemble – Casa da Música / Peter Rundel, direction26 January 2022
Maroussia Gentet plays H. Parra : Au cœur de l'oblique - Théâtre des Bouffes du Nord
Hèctor Parra - Inscape (2018)
Ensemble intercontemporain / Orchestre National de Lille Alexandre Bloch, directionRéalisation informatique musicale Ircam Cité de la musique, 14.06.2018
Excerpt of Angela' Aria from Hector Parra's opera Wilde
Calixto Bieito, stage dictionPeter Rundel, directionMireille Lebel, mezzo-sopranoSchwetzingen SWR Festival, 2015
OBC Barcelona Symphony Orchestra, Ludovic Morlot, Josefin FeilerL'Auditori, 2025, LA-OBC-010
Peter Tantsits, Rachel Harnisch, Günter Papendell, Natascha Petrinsky, David Alegret, Gianluca Zampieri, Choeurs de l'Opera Ballet Vlaanderen, Orchestre Symphonique de l'Opera Ballet Vlaanderen, Peter RundelB-Records, 2024, LBM062
Arne Deforce, Thomas GoepferPassacaille Plus, 2022, PAS 9702
Agustí Fernández, pianoSirulita Records, 2020, SR2002
ensemble rechercheEnsemble Intercontemporain, Emilio PomáricoCol Legno, Ernst von Siemens Musikstiftung, 2012, WWE 1CD 40402
Lisa Randall, libretto - Matthew Ritchie, stage design,Charlotte Ellett, James Bobby, Ensemble Intercontemporain, Clement PowerIRCAM - Centre Pompidou Kairos, 2010, 0013042KAI
ensemble rechercheKairos, 2008, 0012822KAI
Ensemble Proxima Centauri, Laura Capsir, Hèctor Parra, Duo Nataraya, Imma Santacreu, Utopia Ensemble, Quatoru Aker, Amandine LefevreArs Harmonica, 2006, AH 169