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Mit jedem geschaffenen Werk vervollständigt Michael Jarrell sein musikalisches Selbstporträt: Es spiegelt sein stetiges Bemühen um Klarheit und Genauigkeit in seiner kompositorischen Arbeit wider. Das Oeuvre des aus der Schweiz stammenden Komponisten, der auch Bildende Kunst studierte, ist von der wechselseitigen Beziehung dieser beiden Disziplinen geprägt. Sowohl die Musik Edgar Varèses als auch die Kunst Alberto Giacomettis haben ihn stark beeinflusst. Charakteristisch für Michael Jarrells Arbeitsweise ist folglich die Verbindung zwischen kompositorischem Schaffen und visuellem Denken. Seine Assonances etwa, an denen er seit 1983 arbeitet, präsentieren sich wie ein Skizzenbuch. In Congruences (1989), seinem ersten großen Werk für Elektronik, ließ sich der Komponist wiederum von räumlich-geometrischen Begriffen inspirieren.
Zu seinen zentralen Kompositionen zählen außerdem La Chambre aux échos von 2010, das er aus Anlass des 85. Geburtstages von Pierre Boulez für das Ensemble intercontemporain komponierte, und das Jean-Guihen Queyras gewidmete Cello-Konzert Émergences (Nachlese VI) von 2012. 2014 folgten die Uraufführungen seines Klavierkonzertes Reflets durch Nicolas Hodges und des Konzertes für Streichquartett und Orchester Spuren durch das Arditti Quartett und die Bamberger Symphoniker. Als Fellow am Berliner Wissenschaftskolleg 2015/16 vollendete Michael Jarrell sein Bratschenkonzert Emergences – Résurgences für Tabea Zimmermann. Auch Aquateinte, sein Oboenkonzert für François Leleux, ist in dieser Zeit entstanden. 2017 wurde sein Violinkonzert für Ilya Gringolts Des nuages et des brouillards uraufgeführt.
Auch Bühnenwerke sind für seine kompositorische Tätigkeit von besonderer Bedeutung. Sein Monodram Cassandre, entstanden 1994 nach der Erzählung von Christa Wolf, wurde nach der Uraufführung im Théâtre du Châtelet an verschiedenen Orten auch in englischer, deutscher, italienischer und spanischer Fassung auf die Bühne gebracht; zuletzt präsentierte das Ensemble Modern unter Bas Wiegers das Werk gemeinsam mit der Schauspielerin Dagmar Manzel 2025 höchst erfolgreich bei den Salzburger Festspielen. Daneben entstanden 2006 die Oper Galilei sowie 2010 das Musiktheaterstück Le père für die Schwetzinger SWR Festspiele. 2013 folgte sein Monodram Siegfried, nocturne für Männerstimme und Ensemble. Die Oper Bérénice wurde 2018 im Pariser Palais Garnier mit Barbara Hannigan in der Titelrolle zum umjubelten Erfolg.
In den letzten Jahren sind Kompositionen für vielfältige Besetzungen entstanden, angefangen mit Solowerken wie dem 2020 von Emanuel Pahud im Pierre Boulez Saal Berlin uraufgeführten Le point est la source de tout... oder den 2021 von Eric Le Sage interpretierten Albumblättern für Klavier solo bis hin zu groß besetzten Werken wie dem Renaud Capuçon gewidmeten Violinkonzert 4 Eindrücke (2019) den Sechs Augenblicken, 2022 vom Orchestre National des Pays de la Loire unter Pascal Rophé aus der Taufe gehoben, und dem Klarinettenkonzert Passages für Martin Fröst, 2024 uraufgeführt mit dem Orchestre Suisse Romande unter Jonathan Nott. Das Festival Wien Modern präsentierte 2023 4 Iles d'un archipel für Schlagwerk, Ensemble und Elektronik, interpretiert vom Ensemble Musikfabrik unter Enno Poppe mit dem Solisten Dirk Rothbrust. 2025 brachte der Chor Les Métaboles mit dem Ensemble intercontemporain unter Pierre Bleuse ...il semble que ce soit le ciel qui ait le dernier mot… erstmals zu Gehör. Schon zuvor brachte das Ensemble, ebenfalls unter Pierre Bleuse, gemeinsam mit Hidéki Nagano Reflections II zur Uraufführung.
Michael Jarrell studierte Komposition bei Eric Gaudibert in seiner Heimatstadt Genf, besuchte diverse Meisterkurse in Tanglewood und setzte seine Ausbildung bei Klaus Huber in Freiburg fort. Zwischen 1986 und 1988 hospitierte er beim IRCAM in Paris, wurde ein Jahr später Gast der Villa Medici in Rom und anschließend des Istituto Svizzero in Rom. Sein Schaffen wurde mit zahlreichen Preisen gewürdigt, darunter der Prix Acanthes (1983), der Beethovenpreis der Stadt Bonn (1986), der Prix Marescotti (1986), der Siemens-Förderpreis (1990), der Musikpreis der Stadt Wien (2010) und der Schweizer Musikpreis (2019). 2004 wurde er in der Schweiz zum Chevalier des Arts et Lettres ernannt. Er ist seit 1993 Professor für Komposition in Wien und seit 2004 in Genf.
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Saison 2025/26
„Michael Jarrell verfügt über eine bemerkenswerte Kenntnis der Orchestrierung; sein Gespür für Klangfarbe und Klang ist meisterhaft.. Er besitzt ein außergewöhnliches Gehör, was zweifellos sein tiefes Verständnis des Klangs erklärt. Er hat ein Genie dafür, ein Ensemble im wahrsten Sinne des Wortes zum Klingen zu bringen. Seine Musik spiegelt eine ganze sich wandelnde Welt von immenser innerer Vielfalt wider; sie vermittelt Gemütszustände und unterschwellige Strömungen, deren Virtuosität und Geschwindigkeit zutiefst faszinieren. Es ist ein großes Privileg, mit ihm arbeiten zu dürfen.“
Classiquenews.com, Pierre Bleuse interviewt von Alexandre Pham, 07.09.2024
„Jarrell spielt virtuos mit den Klangbewegungen und den durch die Elektronik geformten Räumen – die Technologie des Ircam vollbringt hier Wunder –, und lässt den Zuhörer in eine Klanglandschaft und eine maritime Atmosphäre eintauchen, die uns verzaubern.“
ResMusica, Michèle Tosi, 14.06.2025
„„Aquateinte“ bietet ein Panorama von vage spektraler, zweifellos pointillistischer Musik, in der die vom Solisten geforderte Virtuosität beeindruckend ist und sich in einen reichhaltigen Gesamtkontext einfügt, der vom gesamten Orchester die gleiche technische Qualität verlangt. Das Ergebnis ist atemberaubend, dank einer schillernden Partitur, die von Leleux und dem Frankfurter Orchester mit absoluter Perfektion aufgeführt wird. Die Synästhesie, die hier zwischen dem Visuellen und dem Musikalischen entsteht, ist daher sehr überzeugend, was bei dieser Art von Unterfangen eher selten ist.“
PAN M 360, Frédéric Cardin, über „Future Horizons", 2025
„Michael Jarrell ist ein bedeutender Komponist mit einem umfangreichen und vielfältigen Œuvre, ein Komponist mit einer Vision, der weiß, was er sagen möchte und wie er es am besten ausdrückt.“
MusicWeb International, Hubert Culot, 27.02.2024
Michael Jarrell - La Chambre aux échos (für Ensemble)
Paysages avec figures absentes "Nachlese IV" (Ilya Gringolts, Orchestre National des Pays de la Loire, Pascal Rophé)
Michael Jarrell – Passages (für Klarinette und Orchester)
Émergences-Résurgences: I. (Tabea Zimmermann, Orchestre National des Pays de la Loire, Pascal Rophé)
"...in verästelten Gedanken... (Nachlese VIIb)", Arditti Quartet
Michael Jarrell – Bérénice (Auszug, Barbara Hannigan)
Michael Jarrell, Ensemble Contrechamps, Emilio Pomárico, Maximilian Haft, Yeree SuhSpeckled Toshe, 2025, SPT24-C3
Michael Jarrell, Tabea Zimmermann, Renaud Capuçon, Orchestre National des Pays de la Loire, Pascal RophéBIS, 2021, BIS-2482 SACD
Michael Jarrell, Ernesto Molinari, Thomas Demenga, Marino Formenti, WDR Sinfonieorchester, Peter Rundelæon, 2017, AECD 1754
Asasello QuartettGENUIN, 2013, GEN 13292
MusikFabrikWERGO, 2010, WER 6854-2
Michael Jarrell, Astrid Bas, Susanna Mälkki, Ensemble Intercontemporain, IRCAMKairos, 2009, 0012912KAI
Emmanuel Pahud, Orchestre Philharmonique De Radio France, Matthias Pintscher, Pascal Rophé, Peter EötvösEMI Classics, 2008, 5 01226 2
Michael Jarrell, Orchestre De La Suisse Romande, Emmanuel Pahud, Paul Meyer, François Leleux, Hae-Sun Kang, Marino Formenti, Pascal Rophéæon, 2007, AECD 0752
Michael Jarrell - Klangforum Wien, Neue Vocalsolisten Stuttgart, Ernesto Molinari, Emilio Pomáricoæon, 2005, AECD 0531
Michael Jarrell, Ensemble 'Accroche Note, Ensemble Linea, Jean-Philippe WurtzAccord, 2005, AC4767196
Christophe Desjardins, Frédérique Cambreling, Paul Meyer, Florent Jodelet, Hae-Sun Kangæon. 2001, AECD0101
Orchestre de la Suisse Romande, David Shallon (conductor), Ernesto Molinaro (bass clarinet), Michael Stirling (cello), Ensemble Modern, Peter Eötvös (conductor), Sharon Cooper (soprano), Orchestre Südwestfunk, Arturo Tamayo (conductor)Grammont, 1996, CTS-P 44
Claude Helffer, Rosemary Hardy, Sharon Cooper, Charlotte Hoffmann, Giorgio Bernasconi, Ensemble ContrechampsAccord, 1994 AC4617642
Michael Jarrell - Ensemble InterContemporain, Peter EötvösAccord, 1994, 465 309-2