Architecture of Trust

Oder: Anfangen, wo die Mitte aufhört!

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Konzept

PREMIERE: 3. Dezember 2026, Radialsystem Berlin

Vertrauen ist keine moralische Tugend, sondern eine stille Technik des Überlebens. Vertrauen wirkt dort, wo wir nicht prüfen können, was uns trägt, und genau deshalb selten bemerken, wie sehr wir von ihm abhängen. Architecture of Trust setzt bei diesem blinden Fleck an: bei jener unscheinbaren Selbstverständlichkeit, die unsere demokratischen, technischen und sozialen Systeme zusammenhält, bis sie nicht sichtbar versagt.

In einer Welt wachsender Komplexität wird Vertrauen zur paradoxen Zumutung. Wir stützen uns auf Gesetze, Institutionen und Expertisen – wissend, dass wir ihre inneren Mechanismen kaum verstehen und dennoch gezwungen sind, ihnen zu glauben. Je mehr Zustimmung diese Systeme verlangen, desto weniger erschließen sie sich dem Einzelnen. Vertrauen schlägt hier leicht in Glauben, Misstrauen in Lähmung um.

Die Demokratie balanciert dabei auf einem schmalen Grat: Ohne Vertrauen ist sie handlungsunfähig, ohne Misstrauen blind.

Diese Fragilität bildet das musiktheatrale Zentrum von Architecture of Trust. Anders als in früheren Arbeiten entsteht kein Pasticcio verschiedener Musikstücke, sondern eine bewusst brüchige Polyphonie: Klänge, Texte, Bilder und Körper verschränken sich zu einer offenen Komposition, getragen von einer eigenen musikalischen Grundstruktur und durchzogen von einem fortlaufenden Textfluss. Aus Fragmenten, Splittern und Nachklängen unterschiedlichster Herkunft (Klassik, Pop, Neue Musik) formt sich eine vielschichtige Tonspur der Gegenwart – oszillierend zwischen Vertrautem und Fremdem, zwischen Wiedererkennbarkeit und Verunsicherung. Musik wird nicht zitiert, sondern gebrochen, neu montiert, gegen den Strich gelesen. So entsteht ein Klangraum, der sich der Nostalgie verweigert und dennoch auf Poesie und zeitlose Schönheit insistiert – als fragile Gegenkraft zur Dauererregung der Gegenwart.

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Programm

Auszüge

Franz Schubert
Du bist die Ruh (D 776), An die Musik (D 547), Im Abendrot (D 799)
Robert Schumann
Widmung aus Myrthen (op. 25), Die beiden Grenadiere (op. 49 Nr. 1)
Richard Strauss
Zueignung (op. 10 Nr. 1)
Johann Sebastian Bach
Jesu, meine Freude (BWV 227), Ich habe genug (BWV 82)
Wolfgang Amadeus Mozart
Soave sia il vento (Così fan tutte), Sull’aria (Le nozze di Figaro)
Simon & Garfunkel
Bridge Over Troubled Water
Prince
Trust
Elvis Presley
Suspicious Minds
Amy Winehouse
You Know I’m No Good
U2 Sunday
Bloody Sunday

Mitwirkende

NICO AND THE NAVIGATORS

wurden 1998 von Nicola Hümpel und Oliver Proske am Bauhaus Dessau gegründet. Nach prägenden Jahren an den Berliner Sophiensælen (1999–2006) ist das Ensemble seit der Eröffnung 2006 kontinuierlich im Radialsystem Berlin präsent und zählt heute zu den bedeutenden Musiktheater-Ensembles Europas.
In ihren gesellschaftskritischen und bildmächtigen Musiktheaterarbeiten verbindet das Ensemble Werke aus Klassik, Neuer Musik und Pop zu zeitgenössischen szenischen Formaten. Dabei verknüpft es die Gattungen Schauspiel, Musik, Gesang, Tanz, Technologie, Bühne und Kostüm gleichwertig miteinander. Gastspiele führten die Company an renommierte Theater, Opernhäuser und Festivals weltweit, darunter Berliner Philharmonie, Dom Muzyki in Moskau, Elbphilharmonie, UMTFestival Korea, Opéra-Comique Paris, Wiener Festwochen, Bregenzer Festspiele, Kampnagel Hamburg oder die Shanghai Concert Hall.
Zu den jüngeren Arbeiten zählen die für das Theatertreffen und den Friedrich-Luft-Preis nominierte politische Farce „Ein Volksbürger“ aus dem Jahr 2024, die auf Recherchen des Verfassungsblog basiert, sowie „The whole Truth about Lies“, eine Auseinandersetzung mit populistischen Narrativen im Spannungsfeld von Musiktheater, Theaterillusion und KI-Technologien. In Zusammenarbeit mit dem Kuss Quartett entstand 2025 zuletzt die Produktion „Quartett zum Quadrat“, eine Inszenierung, in der Heiner Müllers „Quartett“ auf Leoš Janáčeks Streichquartette trifft.

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