Architecture of Trust

Musiktheater über brüchige Gewissheiten – Nico and the Navigators

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Konzept

PREMIERE: 3. Dezember 2026, Radialsystem Berlin

Ein Projekt über das Wechselspiel von Vertrauen und Misstrauen

Vertrauen ist keine moralische Tugend, sondern eine stille Technik des Überlebens. Vertrauen wirkt dort, wo wir nicht prüfen können, was uns trägt, und genau deshalb selten bemerken, wie sehr wir von ihm abhängen. Architecture of Trust setzt bei diesem blinden Fleck an: bei jener unscheinbaren Selbstverständlichkeit, die unsere demokratischen, technischen und sozialen Systeme zusammenhält, bis sie nicht sichtbar versagt.

In einer Welt wachsender Komplexität wird Vertrauen zur paradoxen Zumutung. Wir stützen uns auf Gesetze, Institutionen und Expertisen – wissend, dass wir ihre inneren Mechanismen kaum verstehen und dennoch gezwungen sind, ihnen zu glauben. Je mehr Zustimmung diese Systeme verlangen, desto weniger erschließen sie sich dem Einzelnen. Vertrauen schlägt hier leicht in Glauben, Misstrauen in Lähmung um.

Die Demokratie balanciert dabei auf einem schmalen Grat: Ohne Vertrauen ist sie handlungsunfähig, ohne Misstrauen blind.

MUSIKTHEATER

Gemeinsam mit dem Dramaturgen Sergio Morabito entwickelt das Ensemble unter der musikalischen Leitung von Paul Hübner hierzu eine eigene Tonspur. Die Fragilität des Themas bildet das musiktheatrale Zentrum von Architecture of Trust.

Anders als in früheren Arbeiten entsteht kein Pasticcio verschiedener Musikstücke, sondern eine bewusst brüchige Polyphonie: Klänge, Texte, Bilder und Körper verschränken sich zu einer offenen Komposition, getragen von einer eigenen musikalischen Grundstruktur und durchzogen von einem fortlaufenden Textfluss. Aus Fragmenten, Splittern und Nachklängen unterschiedlichster Herkunft (Klassik, Pop, Neue Musik) formt sich eine vielschichtige Tonspur der Gegenwart – oszillierend zwischen Vertrautem und Fremdem, zwischen Wiedererkennbarkeit und Verunsicherung, zwischen Besinnung und Aufbruch. Musik wird nicht zitiert, sondern neu montiert, teils gegen den Strich gelesen.

So entsteht ein Klangraum, der sich der Nostalgie verweigert und dennoch auf Poesie und zeitlose Schönheit insistiert – als fragile Gegenkraft zur Dauererregung der Gegenwart.

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Programm

Auszüge

Franz Schubert
An die Musik (D 547)
Caroline Shaw
Other Song / To the hands
Bob Dylan
The times they are a-changin'
Robert Schumann
Geistervariationen
Simon & Garfunkel
Bridge Over Troubled Water
Erin Gee
Mouthpieces
Johann Sebastian Bach
Jauchzet Gott in allen Landen
Giacinto Scelsi
Ho
Thomas Tallis
In God O thee is all my trust.
Louis Hardin
Some Trust All / Do your thing / Navigators of the World
Paul Simon
American Tune

Mitwirkende

NICO AND THE NAVIGATORS

wurden 1998 von Nicola Hümpel und Oliver Proske am Bauhaus Dessau gegründet. Nach prägenden Jahren an den Berliner Sophiensælen (1999–2006) ist das Ensemble seit der Eröffnung 2006 kontinuierlich im Radialsystem Berlin präsent und zählt heute zu den bedeutenden Musiktheater-Ensembles Europas.
In ihren gesellschaftskritischen und bildmächtigen Musiktheaterarbeiten verbindet das Ensemble Werke aus Klassik, Neuer Musik und Pop zu zeitgenössischen szenischen Formaten. Dabei verknüpft es die Gattungen Schauspiel, Musik, Gesang, Tanz, Technologie, Bühne und Kostüm gleichwertig miteinander. Gastspiele führten die Company an renommierte Theater, Opernhäuser und Festivals weltweit, darunter Berliner Philharmonie, Dom Muzyki in Moskau, Elbphilharmonie, UMTFestival Korea, Opéra-Comique Paris, Wiener Festwochen, Bregenzer Festspiele, Kampnagel Hamburg oder die Shanghai Concert Hall.
Zu den jüngeren Arbeiten zählen die für das Theatertreffen und den Friedrich-Luft-Preis nominierte politische Farce „Ein Volksbürger“ aus dem Jahr 2024, die auf Recherchen des Verfassungsblog basiert, sowie „The whole Truth about Lies“, eine Auseinandersetzung mit populistischen Narrativen im Spannungsfeld von Musiktheater, Theaterillusion und KI-Technologien. In Zusammenarbeit mit dem Kuss Quartett entstand 2025 zuletzt die Produktion „Quartett zum Quadrat“, eine Inszenierung, in der Heiner Müllers „Quartett“ auf Leoš Janáčeks Streichquartette trifft.

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