Glory of Glitch2 credit Oliver Proske

Konzept

Eine musiktheatrale Untersuchung im Zeitalter unendlicher Kommunikation
Eine Produktion von Nico and the Navigators 2028
In Planung als Koproduktion mit den Dresdner Musikfestspielen und 
HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste. In Kooperation mit dem Radialsystem Berlin.

Wie wir sprechen. Wie wir senden. Und was unterwegs verloren gehen kann.

Glory of Glitch untersucht menschliche Verständigung in einer Welt, die unablässig sendet, teilt und reagiert – und fragt nach den Störungen, Missverständnissen und Brüchen.

Das Ich im Sendemodus

Im Zentrum dieser musiktheatralen Untersuchung steht die Frage, wie sich Denken und Sprache unter zunehmender Sendefrequenz verändern, Beschleunigung und Kurzsprache komplexe Zusammenhänge reduzieren. Und welche Potenziale eröffnen sich dadurch zugleich?

Wie verschiebt sich Sprache vom Argument zur Geste? Von Fakten zu Meinungen? Und was passiert hingegen, wenn wir Kommunikation bewusst verlangsamen und Stille sowie Räume des Zuhörens wieder zulassen?

Darüber hinaus untersucht der Abend, wie sich zwischenmenschliche Beziehungen verändern, wenn Kommunikation immer stärker von Sichtbarkeit, Reichweite, Klickzahlen und öffentlicher Resonanz bestimmt wird.

Die Arbeit beobachtet, verschiebt, variiert und befragt unterschiedliche Formen des Singens, Sprechens, Hörens und Sendens. Im Spiel zeigt sich, was im Ernstfall kaum auffällt: Braucht unser Denken Zeit oder überlassen wir es dem Reflex? Was geschieht mit der Frage, wenn die Antwort schon bereitsteht? Wenn Regungen sofort nach außen drängen, was bleibt dann im Innern?

Zuhören, um Gedanken verändern zu lassen?

Zuhören: Wann geschieht es heute eigentlich? Und wo? Welche Formen des Zuhörens gibt es?

Geschieht es im Gespräch oder nur in den Pausen zwischen zwei eigenen Sätzen? Im Konzertsaal oder im Theaterraum vielleicht, wenn ein Klang länger stehen bleibt, als es bequem ist? Oder im digitalen Raum, indem man scrollt und doch behauptet, aufmerksam zu sein?

In einer Gegenwart, die beständig sendet, scheint das Ohr oft im Modus der Bereitschaft: Man hört, um reagieren zu können. Aber hört man auch zu, um sich verändern zu lassen? Um eine Verschiebung im eigenen Denken zu riskieren?

Oder verwandelt sich Zuhören gerade in etwas Flüchtiges – in ein kurzes Aussetzen des Selbst, das sofort wieder vom Impuls zur Stellungnahme überholt wird?

Wir möchten herausfinden, was nötig ist, damit Zuhören mehr ist als das Warten auf die eigene Redezeit, wie viel Stille es braucht und wo sie zu finden ist. Ist sie eine akustische Kategorie oder eine innere Haltung?
Wie verhalten sich Körper in und zur Stille? Und wie werden sie in der Musik und auf der Bühne für ein Publikum lesbar?
Inwiefern ist Zuhören eine fragile Situation, ein Moment, in dem sich das Verstehen offen zwischen Menschen entwickeln kann?

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