In Weinbergs 1968 vollendeter Oper, mit der sich der Komponist gegen die Verdrängung des Holocaust sowohl in Deutschland als auch in der Sowjetunion stemmte, ist die Erinnerung in einer doppelten Perspektive präsent. Im Mittelpunkt steht Marta, eine junge Polin, Überlebende des Frauenkonzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. 1960 begegnet sie auf einem Ozeankreuzer ihrer einstigen Peinigerin, der KZ-Aufseherin Anna-Lisa Franz. Die Oper konfrontiert die geschönten und unvollständigen Bekenntnisse "Lieschens" mit der von den Häftlingen erlittenen, unfassbaren Gewalt.
Mieczysław Weinberg, der nach dem deutschen Überfall auf Polen in die Sowjetunion floh, seine gesamte Familie im Holocaust verlor und später im Rahmen von Stalins antisemitischer Agenda inhaftiert wurde, war auf Anregung seines Freundes Dmitri Schostakowitsch auf den Roman Die Passagierin der Auschwitz-Überlebenden Zofia Posmyz aufmerksam geworden. Nach dem von Alexander Medwedew verfassten Libretto schuf er aus dem Stoff ein Werk, das unterschiedlichste Klangwelten miteinander interagieren lässt. Schostakowitsch begeisterte sich über die Oper: "In ihr gibt es keine einzige 'leere', gleichgültige Note. Alles ist vom Komponisten durchlebt und durchdacht, alles ist wahrheitsgetreu und mit Leidenschaft ausgedrückt."
Deutsches Nationaltheater Weimar