Seit 2008 begegnen sich junge Komponist:innen und Interpret:innen Jahr für Jahr im Creative Dialogue Format, das Anssi Karttunen gemeinsam mit Magnus Lindberg und Kaija Saariaho entwickelt hat und das seit 2022 auch von Julian Anderson mitgestaltet wird. Nach einer Session in Finnland vom 24. Juni bis zum 5. Juli findet in diesem Jahr vom 22. Juli bis zum 5. August wieder ein Creative Dialogue im Château de Beauchêne im Loire Tal statt.
Die Teilnehmenden erarbeiten in einem intensiven Austausch ihre eigene Musik, bei Bedarf unterstützt von Anssi Karttunen und eingeladenen profilierten Musikern und Komponisten. In diesem Jahr, das unter dem Motto "Movement and Sound Manipulation" steht, sind dies in FInnland der Komponist Julian Anderson und die Choreografin Diana Theocharidis und in Frankreich der Komponist Magnus Lindberg, der Sound Designer Timo Kurkikangas und der Bratschist Steven Dann.
Für Anssi Karttunen sind die Prinzipien des Creative Dialogue aus seiner eigenen Biografie entstanden: „Ich habe mich noch nie für Prüfungen interessiert, aber ich wollte lernen. Deshalb verließ ich damals die Sibelius Akademie ohne Abschluss und studierte privat mit den Lehrern, die ich spannend fand", erklärt er. "Meine Neugier darauf, was um mich herum passiert, trieb mich schon damals an und hat sich im Grunde bis heute nicht verändert. Ich interessiere mich für die Arbeit an der Musik, für das Teilen von Ideen und dafür, den Kreislauf des Lernens weiterzuführen, dessen Teil ich selbst bin.“
Zum Gundgedanken des Creative Dialogue sagt er: „Ich versuche, die Lernumgebung zu schaffen, die sich für mich selbst als die fruchtbarste herausgestellt hat: eine reale Situation, in der ich jedwede Frage stellen darf. Damit ein Lernprozess geschehen kann, müssen wir unsere eigenen Lehrer werden – nur durch eigenes Entdecken kann man wirklich tiefgehende Fortschritte machen.“
Für die meisten Teilnehmenden ist dies eine ganz neue Erfahrung. „Sie erleben die Situation, die mich damals auch in Finnland mit meinen Freunden Magnus und Kaija und Esa-Pekka verband: Wir fingen einfach an, voneinander zu lernen. Alles war erlaubt, niemand setzte Grenzen. Für die jungen Musiker geht es nicht nur darum, zu lernen, wie man moderne Musik spielt, sondern darum, worum es schon immer ging, als der junge Brahms, als der junge Beethoven seine Kollegen kennenlernte. Nur so entwickelt sich der Schaffensprozess weiter.“
Creative Dialogue