Die Uraufführung des dem Andenken von Uwe Dierksen gewidmeten Stückes findet im Rahmen des Carinthischen Sommers im Klagenfurter Dom statt.
Johannes Maria Staud erklärt dazu: "Der aus der tibetisch-buddhistischen Tradition stammende Begriff Tulpa bezeichnet im paranormalen Diskurs ein Wesen, das durch intensive Imagination in der reinen Vorstellung beginnt, um dann greifbare Realität und Empfindung zu werden. (...) Das Ich begegnet seinem eigenen Abbild als unheimlicher Gegenfigur; Wiederholung wird zur Bedrohung, Spiegelung zur Selbstbefragung. Nichts kehrt identisch zurück, alles trägt eine Spur von Verwandlung. In memoriam für meinen 2026 viel zu früh verstorbenen Freund Uwe Dierksen geschrieben, gewinnt das Stück eine zusätzliche Bedeutungsebene: Erinnerung erscheint hier nicht als statisches Gedenken, sondern als imaginativer Akt – das Gedachte erhält Form, das Vergangene wird – für einen Moment – zur Gegenwart. Für den wunderbaren Wolfgang Kogert komponiert, erkundet das Werk die Orgel als Instrument zwischen Körper und Raum, zwischen innerer Vision und äußerer Resonanz. Tulpa/Doppelgänger wird so zu einer musikalischen Reflexion über Imagination und Identität.
Schon am 6. Juli hat das Kuss Quartett ein Werk von Johannes Maria Staud zur Uraufführung gebracht. Cahier des équilibres mouvants, entstanden als Auftrag des Carinthischen Sommers, der Elbphilharmonie Hamburg und des Wiener Konzerthauses, ist eine musikalische Reflexion über die empfindlichen Ökosysteme unseres Planeten.
"Ausgangspunkt war die Idee des ökologischen Gleichgewichts", erklärt Johannes Maria Staud. "Diese Metapher - die Transformation, der Mischzustand, die wankende Stabilität eines Ökosystems interessieren mich kompositorisch ungemein. Ich stelle mir das Streichquartett als komplexes, resilientes System vor: vier eng miteinander verbundene Stimmen, die sensibel, elastisch und unerwartet aufeinander reagieren können. Störungen und Verschiebungen gehören dabei zum Wesen dieses Systems; Gleichgewicht entsteht nicht als Zustand der Ruhe, sondern als Ergebnis fortwährender Anpassung."












































