Johannes Maria Stauds Oper missing in cantu (eure paläste sind leer) nach einem Libretto von Thomas Köck kommt am 23. Mai am Tiroler Landestheater Innsbruck in einer Neuinszenierung von Bettina Bruinier zur österreichischen Erstaufführung und steht bis zum 7. Juli auf dem Spielplan.
Thomas Köcks Bühnenstück Eure Paläste sind leer, eine „Reise sprachstromabwärts ins Herz der Finsternis des europäischen Kolonialismus als Ursprung eines weltumspannenden Kapitalismus“ (Christine Dössel, Süddeutsche Zeitung) hatte 2021 an den Münchner Kammerspielen für Furore gesorgt. Die „poetische, bezirzende, hoch musikalisch zusammenkomponierte Sprache“ war schon in dieser Inszenierung auf viel Live-Musik getroffen.
Johannes Maria Staud hat mit missing in cantu den vielschichtigen Stoff in eine Oper umgesetzt, die 2023 im Rahmen des Kunstfest Weimar in der Inszenierung von Andrea Moses erstmals auf die Bühne gekommen ist. „Johannes Maria Staud hat aus dem Vollen geschöpft – in jeder Hinsicht. Was als zartes, irritierendes Klanggeflecht beginnt, entfaltet später szenenweise musicalartige Bombastik, lässt Jazz und Swing aufblitzen, wirkt mal wie Filmmusik und überrascht an anderer Stelle mit einem Choral", urteilten die Salzburger Nachrichten nach der Uraufführung.
Im brasilianischen Dschungel sind im 16. Jahrhundert – Werner Herzogs Aguirre gleich – Konquistadoren unterwegs, die rücksichtslos Menschen und Natur unterwerfen auf der Suche nach dem vermeintlichen Eldorado. Im Amerika unserer Tage grassiert mit der Opioidkrise eine menschengemachte Epidemie, der die Mittelschicht in ihren Vorortsiedlungen zum Opfer fällt. Ein blinder Seher blickt aus der Zukunft auf die einst „Neue Welt“ zurück. Aus der missa in cantu, die sich hier als szenisches Requiem, als oratorischer Abgesang auf unsere Lebensweise offenbart, wird missing in cantu, das Verlorensein im Gesang.
Das Tiroler Landestheater Innsbruck zeigt mit missing in cantu erstmals eine Oper von Johannes Maria Staud. Die musikalische Leitung für die von Bettina Bruinier inszenierte Produktion übernimmt Timothy Redmond. Zu sehen ist die Oper in fünf Aufführungen bis zum 3. Juli.